DIE ZEIT: Mr. Benson, wann bekamen Sie Ihre erste Gitarre?

George Benson: Als ich fünf war, stand im Schaufenster eines Pfandhauses eine Gitarre, die es mir angetan hatte. Für meine bettelarme Familie war sie aber unbezahlbar, weshalb mein Stiefvater ins Geschäft ging, sich das Instrument ausgiebig von allen Seiten ansah – und es mir dann zu Hause nachbaute. Er zersägte dafür extra eine alte Holztruhe, die meine Mutter als Aussteuer bekommen hatte. Diese Selfmade-Gitarre habe ich dann später gegen eine richtige eingetauscht. Schade: Mit dem Geld, das die heute bringen würde, könnte ich mir vermutlich ein Haus bauen.

ZEIT: Sie wurden dann aber erst einmal als Sänger berühmt. Mitte der Fünfzigerjahre traten Sie als zehnjähriges Wunderkind bereits im Fernsehen auf.

Benson: Später sang ich dann bei The Altairs, der Band meines Cousins, die bei uns in Pittsburgh eine große Nummer war. Doch zu Beginn der Sechziger war die Gitarre dann auf einmal wieder in Mode dank des Rock ’n’ Roll. Wer Gitarre spielen konnte, war König. Nun lief sogar Elvis Presley mit einer Gitarre rum. Der allerdings keinen Schimmer hatte, was er damit anfangen sollte.

ZEIT: Dieser Tage hingegen scheint die Gitarre aus der Mode gekommen. Die Traditionsfirma Gibson hat vor einiger Zeit sogar Konkurs angemeldet. Machen Sie sich auch schon Sorgen?

Benson: Das ist alles Unsinn. Die Gitarre ist ein atemberaubendes Instrument, das der Welt viele unglaubliche Erfahrungen beschert hat und weiter bescheren wird. Du kannst damit zaubern. Du kannst damit der nächste Pat Metheny oder Wes Montgomery werden. Gitarren können dem Leben eine einzigartige Würze geben. In genau diesem Moment findet vielleicht irgendwo irgendwer einen unglaublichen neuen Gitarrensound.

ZEIT: Auf Ihrem neuen Album Walking to New Orleans interpretieren Sie Songs von Fats Domino und auch von Chuck Berry, der als einer der ersten ganz großen Gitarrenkünstler im Rock gilt. Wie wichtig waren diese Musiker für Sie?

Benson: Sie waren beide großartige Entertainer. Chuck Berrys Duck-Walk war so außergewöhnlich wie seine Art, sich anzuziehen: weißes Sakko, buntes Hemd und seine lässige Frisur und sein Schnurrbart. Er sah so fabelhaft aus wie ein Filmstar. Ich hatte in den Fünfzigern eine Rock-’n’-Roll-Band, George Benson and the Lone Stars, mit der ich mich in den Clubs von Pennsylvania, West Virginia und Ohio herumtrieb. Wir waren recht populär in diesen Gegenden. Chuck-Berry- und Fats-Domino-Songs hatten wir allerdings nicht im Programm, denn deren Musik war ziemlich anspruchsvoll. Außerdem sprachen sie das ganz große Publikum an und nicht das afroamerikanische, für das wir spielten.

ZEIT: Wie oft greifen Sie heute in Ihrem Alltag noch zur Gitarre?

Benson: Ich übe immer noch täglich, und dazu schaue ich gerne die Nachrichten und die Werbeblöcke, denn immer wieder sind im Fernsehen überraschende Dinge zu hören, die mich zu irgendwelchen ungeahnten Melodien inspirieren.

ZEIT: Die Nachrichten der jüngeren Vergangenheit sind aber ja eher ernüchternd. Drückt das auf die Spielfreude?

Benson: So gut es geht, bemühe ich mich, einen Bogen um Politik zu machen. Andererseits muss man ja mit der Welt in Verbindung bleiben und darauf reagieren, was vor sich geht. Darauf, was die Leute denken. Also spiele ich eben Gitarre zu dem, was mir im Fernsehen so alles begegnet.

ZEIT: Spielen Sie auch Gitarre, wenn sich US-Präsident Trump zu Wort meldet?

Benson: Nein! (lacht) Es ist unmöglich, zu dem, was Trump sagt, Musik zu machen. Da endet dann auch der Zauber der Gitarre.