Für einen Mann, der seiner Partei angeblich gerade schweren Schaden zugefügt hat, ist das ein bemerkenswerter Empfang. Eben noch wurden Andrea Nahles, Olaf Scholz, Heiko Maas und Katarina Barley brav beklatscht, da bricht plötzlich Jubel aus. Kevin Kühnert betritt die Bühne direkt vor dem Staatstheater in Saarbrücken. Der tosende Beifall, den der Juso-Chef beim offiziellen Wahlkampfauftakt der Sozialdemokraten dafür erhält, dass er es gewagt hatte, so zu reden, als sei die SPD eine linke Partei, lässt erahnen, was an der Parteispitze längst nicht alle wahrhaben wollen: Kühnert hat mit seinen Sozialismus-Thesen keinen Ego-Kurs eingeschlagen. Vielmehr hat er den Genossen ein Thema beschert, das viele Menschen beschäftigt: die ungerechte Verteilung des Reichtums.