Bis 2007 hatte die Sowjetunion die unangefochtene Vormachtstellung im Nachkriegs-Weltschach inne, unterbrochen nur vom kurzen Interregnum des Amerikaners Bobby Fischer (1972–75). Dazu trugen zwei Männer aus kleinen Ländern am Rande des großen Sowjetimperiums bei: Paul Keres aus Estland und Tigran Wartanowitsch Petrosjan aus Armenien. Beides mühsam um eine gewisse Souveränität ringende Länder mit viel Nationalstolz und angespanntem Verhältnis zur Moskauer Zentralgewalt.

Als Keres 1975 – auf der Heimreise von einem Turniersieg – unerwartet mit nur 59 Jahren starb, bekam er ein Staatsbegräbnis. Beim Trauerzug durch Tallinn folgten 100.000 Menschen seinem Sarg. Keres’ Bild prangte auf einem estnischen Fünf-Kronen-Geldschein, dem 2016 zu seinem 100. Geburtstag eine Zwei-Euro-Gedenkmünze folgte.

Eine ähnliche Ehre wurde nun Petrosjan, Weltmeister von 1963 bis 69, mit seinem Konterfei auf dem neuen 2000-Dram-Schein zuteil. Als Petrosjan 1963 in Moskau den WM-Titel gegen den tief in der sowjetischen Nomenklatura verhafteten Russen Michail Botwinnik gewann, wurden viele Jungen auf seine Vornamen Tigran und Wartan getauft. Sein Titelgewinn sorgte in Armenien für einen Schachboom, der heute noch anhält: Schach ist Schulfach.

Auf dem Geldschein ist die entscheidende Stellung aus der 7. Partie des WM-Matches 1963 abgebildet, mit der er gegen Botwinnik in Führung ging. Mit welchem Nadelstich kam Petrosjan als Weißer in großen Vorteil?

Lösung aus Nr. 19:

Wie konnte Weiß am Zug überraschend den Springer g6 erobern?

Durch den Angriff auf die deckende schwarze Dame mit 1.Sh2! verlor Schwarz nach 1...Dh4 2.Txg6 den Springer und bald darauf die Partie. Auch 1...Dh5 2.g4! hätte nicht geholfen