Die neuen Trendfloskeln sind da! Denn wie die Mode selbst, so sind auch die begleitenden Werbesprüchlein einem stetigen Wandel unterworfen. Was zunächst einzigartig wirkt, wird schnell kopiert und ist bald allgegenwärtig, woraufhin die Sehnsucht aufkommt, sich von der Masse abgrenzen zu wollen – und alles wieder von vorn losgeht.

Sehr schön sieht man das bei der Lieblings-Masche. Produktübergreifend prägt sie den Alltag, Normalkonsumenten können ihr kaum aus dem Weg gehen. Einst war es die Modemarke Lieblingsstück, es folgten der Lieblingsbäcker, das Lieblingsglas, Lieblingstaschen und -schulranzen sowie die Lieblingswoche bei Ikea (die nur eine Rabattaktion war). Inzwischen verkauft eine Hamburger Immobilienfirma unter "Dein Lieblingsplatz" noch nicht gebaute Eigentumswohnungen, und ein Lieblingsklempner saniert Badezimmer.

Wenn das mal gut geht. Denn die Lieblings-Masche ist ja nur ein plumper Versuch, Konsumenten einzureden, dass dieses oder jenes Etwas, das sie bitte schön kaufen sollen, ihnen bereits ans Herz gewachsen sei. Was genau genommen nicht mehr als eine hoffnungsvolle Prognose ohne jede Grundlage darstellt. Schließlich setzt das Ans-Herz-Wachsen einen Prozess voraus, der Zeit erfordert. Keinesfalls kann er abgeschlossen sein, bevor das entsprechende Etwas gekauft beziehungsweise überhaupt hergestellt wurde.

Ich habe noch nie eine Kommode bei Ikea oder so gekauft, weil diese sich als meine Lieblingskommode bezeichnete. Meist habe ich nur ein Möbelstück gebraucht, um Zeug darin zu verstauen, zu dem ich ebenfalls keine emotionale Bindung aufgebaut habe: Unterhosen, Socken, Klopapier, Druckertoner. Nennen Sie mich gefühlskalt oder hartherzig. Aber was meine Lieblingssachen sind, das lege immer noch ich fest. Und kein Amateurprognostiker in irgendeiner Trendfloskelberatung, die womöglich "Meine Lieblingsagentur" heißt.