Woody Allen ist jetzt 83 Jahre alt, ein Alter, in dem man schnell noch alte Liebesbriefe wegwirft, zum letzten Mal den Keller aufräumt und, falls noch nicht geschehen, seine Memoiren schreibt. Zumindest Letzteres hat der legendäre Filmemacher getan. Die New York Times berichtet, dass Allens Agent im vergangenen Jahr mit dem memoir (altdeutsch: Autobiografie) seines Klienten bei vier großen amerikanischen Verlagshäusern vorstellig wurde, diese aber kein Angebot abgegeben hätten, obwohl Woody Allen noch im Jahr 2003 vom Penguin-Verlag drei Millionen Dollar für eine Autobiografie geboten wurden. Das war ihm zu wenig. "For this I want a lot of money. The ball is in your court", soll er da nur gesagt haben. Jetzt ist er aus dem Spiel. Amerikanische Verlagsmanager nennen es "toxisch", mit Mr. Allen zusammenzuarbeiten, nachdem die Missbrauchsvorwürfe seiner Adoptivtochter Dylan Farrow aus dem Jahr 1992 durch #MeToo neue Dramatik bekommen haben. Ob die Weigerung der US-Verlagshäuser als ein heuchlerischer Beitrag zur Säuberung und Entgiftung des amerikanischen Showbusiness verbucht werden muss oder ob sich die Herren nur in den Verhandlungen über die Vorschuss-Millionen verheddert haben, hat das New Yorker Blatt nicht herausgefunden. "Die finanziellen Risiken" einer Woody-Allen-Autobiografie, heißt es lediglich, seien heute unkalkulierbar.

Von den Summen, die in der Woody-Allen-Industrie aufgerufen werden, gewinnt man einen flüchtigen Eindruck, wenn man die Klage betrachtet, die der Filmemacher seinerseits gerade gegen Amazon anstrengt: 68 Millionen Dollar soll das Unternehmen zahlen, weil es seinen Vertrag für vier Filme gekündigt hat, weswegen A Rainy Day in New York, Allens jüngstes Werk, in den USA nun nicht zu sehen sein wird.

Dafür kommt Woody Allen im Juni selbst nach Deutschland, und zwar vergleichsweise preiswert – als Klarinettenspieler. Vereinzelte Karten zwischen 300 und 68 Euro soll es noch geben.