Was hat mein Besuch beim Arzt mit der Rente meines Nachbarn zu tun? Nichts. Bisher jedenfalls. Doch das könnte sich mit der von der SPD geforderten Grundrente ändern. Um sie zu finanzieren, wollen SPD-Politiker offenbar bei den Krankenkassen zugreifen. Geld, das bisher für Medikamente, Operationen oder Arztbesuche zur Verfügung stand, soll in die neue Rente umgeleitet werden. Das klingt nicht nur absurd, das ist es auch. Der Gipfel ist, dass wohl nur Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen geschröpft würden, privat Versicherte blieben außen vor. Sozialdemokraten, seid ihr noch bei Sinnen?

Die Grundrente soll künftig erhalten, wer mindestens 35 Jahre lang gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat und trotzdem nur eine niedrige Rente bekäme. Sie würde dann aufgestockt. Geschätzte Kosten: vier bis zehn Milliarden Euro pro Jahr. Viel Geld. Woher soll es kommen?

Der nun bekannt gewordene Finanzierungsplan ist so bizarr wie unsozial. Durch komplizierte Manöver würde aus der Kranken- und der Arbeitslosenversicherung ein Milliardenbetrag abgezweigt. An einem derartigen Konzept basteln laut Spiegel Arbeitsminister Hubertus Heil und Finanzminister Olaf Scholz, beide SPD.

Dass es solche Überlegungen gibt, wollen die beteiligten Ministerien nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Sie möchten sich alle Optionen offenhalten. Dabei ist schon die Idee fragwürdig, das Geld aus den Kassen für Arbeitslose und Kranke zu nehmen. Es wird dort gebraucht. Etwa wenn sich die Konjunktur verschlechtert und Kurzarbeit eingeführt werden muss. Und im Gesundheitssystem leiden schon heute viele Ärzte, Patienten und Krankenhäuser unter ständigem Sparzwang.

Unsozial ist der Plan zudem, weil er normale Arbeitnehmer besonders belastet. Beamte dagegen, Abgeordnete und Selbstständige blieben verschont, denn sie zahlen in der Regel keine Sozialbeiträge. Die Grundrente soll aber Altersarmut bekämpfen. Das ist eine Aufgabe, für die alle zahlen müssten.

Die Verrenkungen, die jetzt nötig sind, um Geld aufzutreiben, zeigen: So stark wie bisher wachsen die Steuereinnahmen nicht mehr. Rentenpolitik muss aber relativ normale Zeiten wie heute im Blick haben – und die wirklich düsteren. Eine heute zugesagte Rente ist noch in Jahrzehnten zu zahlen, egal wie die Wirtschaft dann läuft. Deshalb müsste eine Grundrente solide finanziert sein und nicht windig.