Und später? Ausgeschlossen ist nichts. Donald Trump scheint dazu bereit zu sein, bis zum Äußersten zu gehen, um seine handelspolitischen Ziele durchzusetzen. In der vergangenen Woche hat er neue Einfuhrzölle auf chinesische Waren verhängt, auch die europäischen Autohersteller könnten solche Maßnahmen noch treffen. In Großbritannien legen zudem die Befürworter eines harten Brexits in Wahlumfragen zu. Die italienische Regierung bekommt ihr Haushaltsdefizit nicht in den Griff, was neue Verwerfungen an den Finanzmärkten auslösen könnte. All dies könnte die deutschen Exporteure hart treffen.

Aber es gibt eben auch Nachrichten wie diese: Laut einer aktuellen Rangliste des Weltwirtschaftsforums ist Deutschland derzeit die weltweit innovativste Volkswirtschaft, gefolgt von den USA und der Schweiz. Die Experten des Forums loben vor allem die Geschwindigkeit, mit der die deutschen Konzerne neue Ideen in marktfähige Produkte umsetzen.

Tatsächlich gibt Deutschland – das teilte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft diese Woche mit – erstmals mehr als drei Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Forschung und Innovationen aus. Und ausgerechnet die vermeintlich so lahme Autoindustrie hat ihre Investitionen deutlich hochgefahren. Am Montag gab sogar Volkswagen bekannt, künftig in Salzgitter Batteriezellen bauen zu wollen. Und der neue Daimler-Chef hat angekündigt, dass die Neuwagenflotte des Stuttgarter Autobauers auch dank forcierter Elektrifizierung bis 2039 klimaneutral unterwegs sein soll.

Bereits im vergangenen Jahr war Deutschland nach den USA und vor China, Südkorea oder Frankreich das Land mit den meisten Anmeldungen beim Europäischen Patentamt. 26.734 Erfindungen haben sich deutsche Tüftler patentieren lassen – ein Anstieg um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Spitzenreiter unter den Unternehmen kommt ebenfalls aus Deutschland. Es handelt sich um Siemens.

Womöglich wäre es also voreilig, dem deutschen Wirtschaftsmodell bereits den nahenden Untergang zu prophezeien. Das Land sei "mit seinen Facharbeitern und Ingenieuren, seiner Rechtssicherheit und seiner politischen Stabilität" auch weiterhin attraktiv für die Industrie, sagt Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg-Bank. Und es verfügt im Vergleich mit vielen anderen Staaten über einen ganz entscheidenden Vorteil: Nach fast zehn Jahren Aufschwung ist der Anteil der Staatsschulden gemessen an der Wirtschaftsleistung so niedrig wie zuletzt vor der Finanzkrise. Nach Berechnungen der Europäischen Kommission wird die deutsche Schuldenquote in diesem Jahr sogar erstmals wieder unter den EU-Grenzwert von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fallen. In den USA ist sie, unter anderem wegen der großzügigen Steuergeschenke von Donald Trump, auf über 100 Prozent gestiegen.

Falls die deutsche Wirtschaft also wirklich in ernsthafte Schwierigkeiten kommen sollte, dann kann die Bundesregierung vergleichsweise einfach Geld in die Hand nehmen, um zum Beispiel mit zusätzlichen Investitionen die Konjunktur zu stützen. Olaf Scholz hätte, wie in seinem Umfeld zu hören ist, in einem solchen Szenario auch kein Problem damit, sich vom Ziel einer schwarzen Null im Haushalt zu verabschieden. Selbst die Union wäre dafür wohl zu haben.

Genug zu tun gäbe es, darüber sind sich die meisten Experten einig. Beispiel Breitbandausbau: Im Koalitionsvertrag ist als Ziel eine "flächendeckende digitale Infrastruktur von Weltklasse" formuliert. Allerdings waren Stand Mitte 2018 gerade einmal 8,5 Prozent der Haushalte direkt an Glasfasernetze angeschlossen. Bei den Zukunftsthemen Digitalisierung, Bildung, Mobilität sei zu wenig passiert, beklagte in der vergangenen Woche der Bundesverband der Deutschen Industrie.

Das müsste sich schon ändern, damit in Deutschland noch was geht.