Die Parkplatz-Geier

Wie scharf die Konkurrenz um Parkplätze mittlerweile geworden ist, sehe ich immer wieder in der Straße, in der meine Eltern wohnen. Dort gibt es zwei kostenlose, öffentliche Parkplätze, die eigentlich für Besucher gedacht sind. In der Realität entsteht ein wahres Wettrennen zwischen den Nachbarn: Sobald ein Anwohner den Parkplatz verlässt, läuft ein anderer aus dem Haus und stellt sein Auto um. Für Besucher ist praktisch nie einer dieser Plätze frei.

Ich finde, man müsste die Parkplätze besser verwalten. In Dänemark gibt es beispielsweise das Flex-Parken-Modell: Tagsüber sollen die Parkplätze für Fahrräder und nachts für Autos reserviert sein. Die Stadt München möchte dieses Modell jetzt zwei Jahre lang testen – ich bin gespannt auf die Ergebnisse.

Was mich wirklich aufregt, sind die vielen Sport Utilities Vehicles (SUV) im Münchner Zentrum. Senioren gestehe ich den Komfort des höheren Sitzens und dadurch erleichterten Einsteigens natürlich zu. Aber die meisten SUV-Fahrer, die ich sehe, sind sportlich fit und könnten genauso gut in einem Kombi ihre Sachen unterbringen, was deutlich umweltfreundlicher wäre. Ganz simpel muss der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Vergleich zum Autofahren so billig werden, dass die meisten schlicht aus ökonomischen Gründen auf das Auto verzichten und die Bahn oder den Bus nehmen.

Peinliche Wutausbrüche von Radfahrern

Ich bin Fußgängerin und Radfahrerin, ein Auto habe ich nicht. Beim Lesen der Titelgeschichte in der letzten ZEIT-Ausgabe fiel mir sofort eine Situation ein, die ich am Tag zurvor erlebt hatte: Eine Radfahrerin raste vor mir her, sie war ganz offensichtlich in Eile. Ein Auto kam an einer Straßenbiegung vor ihr zum Stehen, und sie fing an, den Autofahrer wüst zu beschimpfen. Irgendwann machte er Platz, und sie düste wütend an ihm vorbei. Ich fand es unglaublich peinlich und dachte: Jetzt hat wieder jemand zum schlechten Ruf der Radfahrer beigetragen. Sie musste vielleicht zehn Sekunden warten. Vor allem brachte dieses Schreien gar nichts, da der Autofahrer drinnen in seinem Käfig sie sowieso nicht hören konnte. Die Umstehenden aber haben die Aggression im Grunde abbekommen.

Ich beobachte so etwas ab und zu und kann die Radfahrer auch manchmal verstehen. Das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem wesentlich stärkeren Auto, das einen im Zweifel einfach totfahren kann, führt schnell mal zu Überreaktionen. Und natürlich ist die gesamte Verkehrssituation auf der Straße höchst stressig.

Ich hatte einmal eine gefährliche Situation mit einem Linienbus, der beim Überholen viel zu weit auf den Radweg ausscherte. Seitdem fahre ich besonders vorsichtig, denn leider bedeutet ein markierter Radweg noch nicht, dass der auch gut und sicher ist. Breitere Radwege würden helfen. Vor Kurzem habe ich mit einem Radfahrer gesprochen, der gelb leuchtende Schilder produziert, die hinten am Fahrrad montiert werden können. Darauf wird deutlich der Sicherheitsabstand gezeigt, den ein Auto einhalten sollte. Ich fand das eine gute Idee.

Besserwisserei - "Das ist aber der Fahrradweg!" Ob an der Ampel, im Amt oder in der Küche: die Deutschen wissen, wie es richtig geht. Und halten sich selten mit Rat zurück. In unserer Videoserie erzählen in Deutschland lebende Ausländer, wie sie uns sehen.

Zu lasche Strafen für Falschparker und Raser

Als Stadtbewohner und Pendler bin ich regelmäßig mit dem Auto, Fahrrad, der Bahn und zu Fuß unterwegs. Darum kenne ich die unterschiedlichen Perspektiven der verschiedenen Verkehrsteilnehmer ganz gut. Mein Eindruck ist, dass Autofahrer besonders rücksichtslos sind. Womöglich liegt das an der Distanz, die man als Autofahrer zum Rest der Verkehrsteilnehmer hat. Aber wieso werden Verstöße gegen die Verkehrsregeln so selten und so lasch bestraft?

In meinem Stadtteil finden Geschwindigkeits- und Parkplatzkontrollen nach meinem Empfinden selten statt. In unserer Straße steht seit mehreren Wochen ein Fahrzeug ohne Anwohnerparkausweis; einen Strafzettel habe ich an der Scheibe noch nicht gesehen. Wenn dann doch jemand kontrolliert, sind die Strafgebühren lächerlich niedrig, sodass es auf Dauer günstiger sein kann, Strafzettel in Kauf zu nehmen, als offizielle Parkgebühren zu bezahlen.

Alle Verkehrsteilnehmer haben ihren Anteil an den Problemen, die wir im Zusammenhang mit dem Platzmangel in Städten haben, und der Run auf Ballungsgebiete verstärkt diese Problematik. Geänderte Raumbedingungen erfordern aber auch Verhaltensänderungen.

Letzte Woche ist mir aufgefallen, dass eine Anwohnerin aus der Nachbarschaft zum 500 Meter entfernten Wochenmarkt mit dem Auto fährt, um dann wieder 500 Meter zurückzufahren. Eingekauft hat sie lediglich ein paar Kleinigkeiten. Ein solches Verhalten kann ich nicht nachvollziehen. Jeder hat das Recht, öffentliche Räume in Anspruch zu nehmen, aber Rücksichtnahme ist eine grundlegende Voraussetzung für das Zusammenleben – gerade, wenn der Platz auf den Straßen knapp wird.

Citymaut? Nur mit mehr Parkplätzen!

In Tübingen nutze ich wöchentlich einen Shared Space für Autos und Radfahrer. Der ist zwar nicht groß, aber es klappt trotzdem problemlos – von Rücksichtslosigkeit keine Spur. Ich habe den Eindruck: Wo jeder mit allem und jedem rechnen muss, achtet man deutlich mehr aufeinander. Wo jeder nur auf sein Recht setzt, gilt das Recht des Stärkeren. Und zumindest in Deutschland habe ich den Eindruck, dass jeder ganz besonders auf seinem Recht beharrt und dies vielleicht auch entgegen jeder Vernunft durchsetzen will.

Skeptisch bin ich bezüglich eines Zulassungsmodells wie in Japan. Wenn man einen Stellplatz bei der Zulassung nachweisen muss, wird das darauf hinauslaufen, dass nur Vermögende sich sowohl einen Stellplatz als auch ein Auto in der Stadt leisten können. Das Platzproblem ist dadurch nicht unbedingt gelöst: Schon jetzt muss in Stuttgart beim Neubau zu jeder Wohneinheit ein Stellplatz gehören. Als wir noch in Stuttgart wohnten, besaßen allerdings viele Familien in unserem Neubaugebiet zwei Autos. Das andere Auto stand dann am Straßenrand der schmalen Zufahrtstraße und blockierte die Zufahrt für Müllfahrzeuge.

Ich hätte nichts gegen die Einführung einer Citymaut einzuwenden, aber dann müssten auch ausreichend Parkplätze zur Verfügung gestellt werden. Immerhin sind die Innenstädte ja auch darauf angewiesen, dass irgendjemand dort einkauft und die Museen besucht.