Ein amerikanischer Flugzeugträger wird in den Persischen Golf verlegt, Unbekannte verüben Attentate auf saudische Tanker, Ölpipelines und Flughäfen, und Raketen vermutlich iranischer Milizen landen in der "Grünen Zone" in Bagdad, wo sich auch die US-Botschaft befindet. Auf Twitter beschuldigen sich Amerikaner und Iraner wechselseitig, einen Völkermord zu planen.

Im Hintergrund dieser Eskalation fällt immer wieder ein mürrisch dreinblickender Mitarbeiter des US-Präsidenten mit einem Günter-Grass-Schnurrbart auf: John Bolton, Donald Trumps Nationaler Sicherheitsberater. Er steht meist etwas versetzt neben seinem Chef, eine Akte unter dem Arm oder einen Schreibblock in der Hand. Dieser Beamte, davon sind Diplomaten in Berlin überzeugt, sei es, der die USA in die Auseinandersetzung mit dem Iran treibe.

Ein gefährlicher Mann sei er, ein Hardliner, ein "Falke". Schon an der Vorbereitung des Irakkriegs sei er schließlich beteiligt gewesen. Bolton habe überhaupt "noch keinen Krieg gesehen, der ihm nicht gefallen hat". Und der Iran sei nun mal seine Obsession, seit zwei Jahrzehnten trommele Bolton schon für einen "Präventivkrieg" gegen das Teheraner Regime.

In der Tat: Seit Bolton im Frühjahr vergangenen Jahres sein Amt antrat, häufen sich Provokationen, die einen solchen Krieg näher rücken lassen. Noch nie schien Bolton seinem Ziel, das Mullah-Regime in eine Konfrontation zu zwingen, so nahe wie in diesen Tagen.

Die Verunsicherung über den Sicherheitsberater rückt den Präsidenten in ein milderes Licht. Trump, so die Hoffnung, mache zwar mächtig Wind gegen den Iran, er wolle aber ganz bestimmt keinen neuen Krieg im Nahen Osten, das habe er schließlich seinen Wählern 2016 versprochen. Er werde den Falken Bolton zähmen (oder ihn irgendwann feuern, wie dessen Vorgänger). So beruhigen sich Politiker und Beobachter in den europäischen Hauptstädten, auch in Berlin.

Das ist allerdings die exakte Umkehrung der bisherigen These, warum es unter Trump schon nicht zum Äußersten kommen werde: gemäßigte Berater würden den erratischen Präsidenten besänftigen. Diese Vorstellung hatte sich im vergangenen Jahr als Wunschdenken herausgestellt, als die vermeintlich moderaten "Erwachsenen" von Trump allesamt geschasst wurden oder zurücktraten. An ihre Stelle traten Hardliner wie der Außenminister Mike Pompeo und der Nationale Sicherheitsberater John Bolton, beide Befürworter ungebremster amerikanischer Machtentfaltung. So richtet sich nun die bange Erwartung europäischer Diplomaten darauf, dass der Präsident seinen kriegslüsternen Berater Bolton einzufangen vermag.

Wer ist dieser Mann, der selbst einen Trump gemäßigt erscheinen lässt?

Es fällt europäischen Beobachtern nicht leicht, sich in den Kopf von John Bolton zu versetzen. Für hiesige Außenpolitiker bietet er sich als Hassobjekt geradezu an. Bolton steht in allem gegen die Weltsicht und die Methoden der Europäer. Er hat einen überaus positiven Begriff von (amerikanischer) Macht als Mittel der Politik; er sieht Bündnisse und Verträge tendenziell als Hindernis zur Entfaltung dieser für die Welt guten Kraft; und er hält die Gefahrenanalyse der Alliierten Amerikas für hoffnungslos naiv – was Russland, China und Nordkorea, vor allem aber was den Iran betrifft.