Spanien

Von Manuel Meyer

Rasend schnell entgleitet Spanien der katholischen Kirche. Neun von zehn Spaniern wurden katholisch erzogen. Aber nur noch jeder Fünfte geht zur Kirche und unter den Jugendlichen bezeichnet sich jeder Zweite als Atheist.

All das hat die katholische Kirche sich selbst zuzuschreiben, in Spanien ist ihr Sündenregister lang. Der sexuelle Missbrauch und der mangelnde Aufklärungswillen im Klerus ist da nur das jüngste Beispiel. Nachgewiesen ist inzwischen auch die Verstrickung von Nonnen in den systematischen Baby-Raub während der Franco-Diktatur und der folgenden Jahrzehnte: Zehntausende von Säuglingen verschwanden aus den Geburtsstationen, zunächst, um von regimetreuen Familien adoptiert zu werden, später als kriminelles Geschäftsmodell.

Lange versuchte die Kirche, die Spuren ihrer engen Verbindung zum spanischen Faschismus zu tilgen. Heute ist das Verhältnis zum rechten Populismus ambivalent. Zwar sehen sehen viele Geistliche und Gläubige in der neuen Vox-Partei ein Bollwerk gegen die kirchenfeindliche sozialistische Regierung. Zugleich lehnen sie aber die Fremdenfeindlichkeit der neuen Rechten ab.

Dänemark

Von Ricarda Richter

Religion spielt in Dänemark keine große Rolle – und trotzdem sind drei von vier Dänen Mitglied der evangelisch-lutherischen Volkskirche.

Das Wort "Volkskirche" legt nahe, es handle sich um eine mitgliederstarke, in weiten Teilen der Bevölkerung verankerte Glaubensgemeinschaft. Gemeint ist aber etwas völlig anderes: In vieler Hinsicht ist die evangelisch-lutherische Kirche Dänemarks eine Staatskirche. Leitung, Personalien und Haushalt werden vom Kirchenministerium bestimmt, nur in theologischen Fragen ist sie selbstständig. Traditionell stand der dänische König an der Spitze der Kirche; im Zuge der Demokratisierung des Landes übernahm der Staat. Eine Reform, die der Kirche mehr Selbstbestimmung erlauben soll, wird zwar immer wieder diskutiert. Bisher sind aber alle Reformversuche gescheitert, zuletzt vor fünf Jahren.

Die dänischen Rechtspopulisten, deren Einfluss stetig wächst, betonen zunehmend die christlichen Wurzeln des Landes. Zugleich nimmt aber der Einfluss des Christentums ab: Wie vielen Kirchen in Europa laufen auch der "Folkekirke" die Mitglieder weg.

Großbritannien

Von Sebastian Borger

Kaum jemand in Großbritannien hat damit gerechnet, dass die Bürger trotz der Brexit-Entscheidung vor drei Jahren noch an der Europawahl würden teilnehmen müssen. Während im Wahlkampf die neue Brexit-Partei des Nationalpopulisten Nigel Farage und dezidiert EU-freundliche Parteien wie Liberaldemokraten und Grüne aufeinanderprallen, ist von den Kirchenvertretern kaum etwas zu hören. Das dürfte daran liegen, dass der Riss im Streit um Europa auch mitten durch die Kirchen geht. Während die meisten Oberhirten der anglikanischen Staatskirche von England, angeführt von Justin Welby, dem Erzbischof von Canterbury, die EU für eine gute Sache halten, haben unter den Mitgliedern der Kirche zwei von dreien für den Austritt gestimmt.

Vor der ungeliebten Wahl an diesem Donnerstag konnte sich die Kirche nicht einmal zu dem obligatorischen Aufruf zur Teilnahme durchringen. Allerdings hat sie auch andere Sorgen. Erst am Freitag suspendierte der Erzbischof den Bischof von Lincoln, weil dieser nach Erkenntnissen der Kriminalpolizei offenbar Hinweise auf Kindesmissbrauch ignoriert hatte.