Wie leicht sind Männer zu verletzen! Neulich berichtete ich über ein Gespräch mit einer ICE-Schaffnerin, die Gelegenheit hatte, bloßgelegte Fußnägel von Männern in Speisewagen zu betrachten, und ein Leser schickte einen Brief, der ein einziger Aufschrei war. Männerverachtend! Billig! Und natürlich der Vorwurf, über Frauen würde man nie so zu reden wagen. Das ist nicht meine Erfahrung. Erst vor wenigen Tagen plauderte ich mit einem Handwerker (Fußnägel bedeckt, aber schöne Tattoos), und er sagte: "Was Toiletten angeht, sind Frauen einfach Schweine." Ich schwöre, wir haben schallend gelacht.

Der Typ weiß, wovon er spricht. Sein Job ist die Befreiung der Sielleitungen von dem, was er wie das komplette Rossmann-Sortiment von zellstoffbasierten Tupfern und Stöpseln beschrieb, das sich in Rohren gerne zu abstrakten Gebilden verhakelt, die er dann seinen Auftraggeberinnen vorlegt, die ausnahmslos beteuerten, nie, nie, nie würden sie et cetera. Dann er: "Glauben Sie, Ihre Nachbarin kommt rüber, um das bei Ihnen zu entsorgen?" Fühlte ich mich angegriffen? Null. Es ist mir auch schnuppe, ob vorgetragen wird, dass Frauen zu oft gellend kreischen, besonders bei Ausflügen, oder bei Karstadt klauen wie die Raben – nichts, worüber ich mein Frausein definieren würde.

Ich finde es gefährlich, Schutzzonen der Wahrnehmung einzurichten. Selbst über Herrn Strache wird doch mit angezogener Bremse geschrieben. Gerade noch, dass man die Ibiza-Bräune erwähnt oder das T-Shirt, das sich um die füllige Körpermitte des jetzt ehemaligen FPÖ-Vizekanzlers schmiegt, der auf älteren Aufnahmen noch im Kampfesanzug für wilde Männerspiele auf Pirsch geht – wer aber wagt auch nur zu erwähnen, dass Strache auf Ibiza seine Perlen anlegte? Aufgefädelt zu gleich zwei, drei Armbändchen, rechts getragen natürlich? Oder dass Freund Meuthen dieser Tage in Talkshows mit beigen Jeans aufkreuzt, eng wie Leggings, die jedenfalls dem Vater meiner Kinder noch von seinem Papa (ehemals Waffen-SS) verboten waren wegen möglicher schwuler Wirkung?

Man sah Meuthen in einer dieser Diskussionen zur Europawahl wie ausgesetzt inmitten von drei Grazien, die wie ein ZDF-Remake des schönen Bildes von Lucas Cranach d. Ä. wirkten. Frau Beer von der FDP, aus Bayern, frech ohne Dirndl. Frau Keller von den Grünen, mit einem Haarschnitt, der im Vaterland der AfD für Frauen vermutlich sofort verboten würde. Frau Demirel von der Linken war erschienen als Kopftuchmädel ohne Kopftuch! Und nun, Herr Meuthen?

Meuthen versuchte es mit einer in tausend Falten gelegten Stirn, was wohl Gedankentiefe signalisieren wollte, dazu zwinkernde feuchte Äuglein, die Harmlosigkeit morsten, schiefes Lächeln – ganz der klassische Hush-Puppies-Look. Vielleicht weil er gehört hat, dass Frauen als welpenfreundlich gelten. Nur ein Ausrutscher. Als Frau Demirel beschrieb, wofür sie kämpfen wolle, da ballerte er: "Mit Gewalt?" Nachgeladen: "Mit Gewalt?" Die Damen blieben cool.

Man könnte verleitet sein, zu denken oder fürchten, das Patriarchat sei damit erledigt. Nun, die Herren, ein Blick auf die Europawahl-Listen könnte doch entspannen. Zwar gehen zehn der ersten Listenplätze an Frauen, aber keine Bange: Bei Christen für Deutschland – eine Frau unter neun Typen. Bei den Humanisten – eine Frau von sieben. Bei der Bayernpartei: fünf Männer ganz vorn. Die Neuen Liberalen? Zwei Frauen unter acht Männern. Selbst bei den Grauen Panthern, die in Altersheimen doch meist nur in weiblicher Form überleben – fast nur Männer. Die Front wurde gehalten. Das gilt jedenfalls bis Sonntag, den 26. Mai – dann hat natürlich jeder die freie Wahl.