Für einen, der zweimal durch die Hölle ging, konnte sich Niki Lauda über scheinbar Banales mächtig echauffieren. "Die Taxler in Wien, die Taxifahrer, gehen mir so unendlich auf die Nerven. Weil sie immer langsam fahren." Als Lauda im Gespräch mit der ZEIT im Sommer 2014 lospolterte, parkte vor der Tür des Café Imperial im ersten Bezirk in Wien sein Mercedes-AMG S65. Im Halteverbot.

12 Zylinder, 630 PS. In vier Sekunden von null auf hundert. "Dinge, die ich steuern kann, bewege ich furchtlos", sagte Lauda.

Dabei hätte er allen Grund gehabt, nie wieder in ein Cockpit zu steigen. Am 1. August 1976 ging sein Ferrari beim Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring in Flammen auf. Die Bilder davon gehen spätestens mit dem Film Rush selbst den danach Geborenen nicht mehr aus dem Kopf.

Doch ein anderes Ereignis sollte ihn noch stärker prägen. Da war er längst Airline-Unternehmer und Flugzeugpilot. Am 26. Mai 1991 stürzte eine Maschine der Lauda Air über Thailand ab. Alle 223 Insassen starben. Ehe der technische Defekt nach acht Monaten gefunden war, fühlte sich Lauda schuldig. Erst als er im Flugsimulator selbst erlebte, dass die Piloten chancenlos gewesen waren, akzeptierte er das Unglück. Doch weil sein Name auf der Boeing 767 stand, tat der Absturz "hundertmal mehr weh". So sentimental zeigte sich Lauda selten, und nur Sekunden später schaltete er um: "Auf der anderen Seite war mein Name da drauf, weil er mir durch meine Popularität aus meiner Rennfahrerzeit mehr Passagiere gebracht hat."

Da ließ Lauda schon anklingen, was er zeit seines Lebens war. Ein genialer Selbstvermarkter. Lange vor Instagram und Twitter.

Er machte seine Baseballmütze zur Liftfaßsäule und kassierte über eine Millionen Euro

Selbst die Folgen seines furchtbaren Unfalls auf dem Nürburgring machte Niki Lauda zu Geld. Der Verband um seinen Kopf wollte und wollte nicht halten, erzählte Lauda freimütig. Die Lösung hatte sein Physiotherapeut Willi Dungl: "Setz ein Kapperl auf."

Als der Verband weg war, blieb das Kapperl. Und Lauda verdiente glänzend daran, er machte es zur Litfaßsäule. Erst zahlte der italienische Lebensmittelhersteller Parmalat. Zuletzt das Glücksspielunternehmen Novomatic sogar mehr als eine Million Euro. Im Jahr.

Laudas Erklärung: "Ich bin schnell Weltmeister geworden und schnell verunglückt. Dann kam ich zurück, und alle schauten zu. Der Preis ergibt sich aus der Popularität." Zu Gesprächen mit Journalisten traf er sich am liebsten im Imperial. Morgens gegen acht Uhr fuhr er vor. Da waren noch keine Touristen da. Selbst um Kleinigkeiten verhandelte er hart. Für 21 Euro wird dort bis heute das Niki-Lauda-Frühstück serviert. Ein Kaffee Melange, Schnittlauchbrot, ein Ei im Glas und ein Joghurt mit geriebenem Apfel und Himbeeren. "Dafür, dass wir den Namen verwenden durften, hat er ein Jahr gratis gefrühstückt", berichtet ein Angestellter am Dienstag auf Nachfrage.

Das Ei im Glas und das Schnittlauchbrot zählten zu seinen Lieblingsspeisen im Café, in dem er sich wie zu Hause fühlte.

Aufgewachsen in Wien, sollte er eigentlich der Unternehmertradition der Familie folgen. Großvater Hans Lauda war nach dem Krieg Gründer und Präsident der Österreichischen Industriellenvereinigung und leitete ein Werk für den Abbau von Magnesiterz. Dem Vater wiederum gehörte eine Papierfabrik. Lauda fühlte sich auf dem Werksgelände wohl. Allerdings nur, wenn er Gabelstapler fahren durfte. Im Winter stand er früh auf, stieg auf den Schneepflug und verdiente sich ein Taschengeld von 10 Schilling die Stunde. Somit war die Familie nicht ganz unschuldig an Laudas Faszination für Fahrzeuge.