Was das Teilen und Verteilen von Wohlstand angeht, hat Felix Ahlers zwei für einen Unternehmer eher überraschende Ansichten. Die eine betrifft große Vermögen, die in deutschen Unternehmerfamilien gewöhnlich von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die andere hat mit Kaffee und ostafrikanischen Bauern zu tun – und beide Fragen sind eng miteinander verwoben.

Ahlers lehnt am vergangenen Donnerstagabend an einem weiß lackierten Türrahmen einer Altbauwohnung im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Ein kleiner Empfang, eher informell, zwei Dutzend Gäste. Es geht um äthiopischen Kaffee. Ahlers trägt Hemd und Pullunder. So könnte man sich einen mittelständischen Unternehmer vorstellen – und genau das ist er ja auch. Der 52-Jährige ist Vorstandschef und größter Anteilseigner von Frosta. Das Unternehmen aus Bremerhaven stellt Tiefkühlprodukte her: Fischstäbchen, gefrorenes Gemüse und Fertiggerichte wie Paella und Tortellini in Käse-Sahne-Sauce. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten 1800 Mitarbeiter einen Umsatz von 509 Millionen Euro. Ahlers führt das Unternehmen in dritter Generation. Außerdem gehören ihm 33,5 Prozent der Aktien. Gemessen am aktuellen Kurswert sind das etwa 120 Millionen Euro. Ahlers ist ein reicher Mann.

Ist die eigene unternehmerische Leistung wichtiger als die der Vorfahren?

In einer Hinsicht geht es ihm wie vielen Familienunternehmern in Deutschland: Sein Vermögen besteht vor allem aus der Firma selbst. Die Grundstücke, die Fabrikhallen, die Maschinen, der Warenbestand, die Kundenbeziehungen und vieles mehr – alles Teil der Firma. Alles normal, und doch vertritt Ahlers eine unter seinesgleichen seltene Position: "In den Vereinigten Staaten ist die Erbschaftsteuer deutlich höher als hierzulande", sagt er, "und daran sollten wir uns auch orientieren."

Eine höhere Erbschaftsteuer? So etwas zu fordern gilt in Unternehmerkreisen als ungehörig. Viele fürchten, dass sie bei einer höheren Erbschaftsteuer das Familienunternehmen zerschlagen müssten, um die Forderungen des Fiskus bezahlen zu können. Ahlers sieht das anders.

Er möchte nicht missverstanden werden, betont er. Er wolle sich keineswegs pauschal für Steuererhöhungen aussprechen. Aber wenn man die Entstehung und Verteilung von Wohlstand im Land beeinflussen wolle, könne man am System durchaus etwas ändern. "Wenn wir die Erbschaftsteuer erhöhen und im Gegenzug die Ertragssteuern senken, würde das unternehmerische Handeln nicht erschweren, sondern fördern", sagt er, "erfolgreiche Ideen und Unternehmer würden schneller belohnt werden, und Investitionen würden sich schneller rechnen."

Verteilungsfragen interessierten ihn, sagt er. So hat er sich vor zwei Wochen in der ZEIT, ebenso wie andere Firmenlenker, mit einem kurzen Statement zur unternehmerischen Verantwortung zu Wort gemeldet. Es ging um die von Juso-Chef Kevin Kühnert angestoßene Debatte über die Kollektivierung großer Unternehmen. Er sehe ja auch, dass die Frage nach der gerechten Verteilung von Reichtum viele Menschen umtreibe, sagt Ahlers.

Übersetzt man seinen Vorschlag zur Erbschaftsteuer in das etwas abgegriffene Sprachbild, wonach jeder seines Glückes Schmied sei, dann sollte man den Gründer einer Schmiede wohl besser behandeln als den Erben einer Schmiede. Dieser Ansatz würde jedenfalls die eigene unternehmerische Leistung stärker belohnen als die der Vorfahren.

Felix Ahlers kennt beide Welten. Er führt einen etablierten Hersteller von Tiefkühlkost. Seine heimliche Leidenschaft gilt jedoch einem Heißgetränk. In Äthiopien hat er daher ein kleines Kaffeeunternehmen mit Namen Solino gegründet. Deswegen ist er heute nach Hamburg gekommen.

Mittlerweile umgibt ihn eine Wolke von Röstaromen. Auf einem Hocker neben ihm sitzt eine Frau in weißer, traditionell äthiopischer Kleidung. Mit einem Schaber wendet sie zwei Handvoll Kaffeebohnen in einer kleinen Pfanne über einer tragbaren Herdplatte. Die Farbe der Bohnen ändert sich langsam von mattem Grün ins Braune, bis sie immer dunkler und schließlich fast schwarz werden. In Äthiopien wird Kaffee erst unmittelbar vor der Zubereitung geröstet.