Wenn man in Europa an einem schönen Strand liegt und vor Begeisterung fast platzt, fällt oft ein Satz: Hier sieht es aus wie in der Karibik! Diesen Satz können sowohl Menschen sagen, die schon einmal dort waren, als auch diejenigen, die die Karibik noch nie live gesehen haben. Denn die Karibik ist eine allgemein anerkannte Vergleichsgröße. Jeder und jede hat eine Vorstellung von der Karibik, sie alle meinen dasselbe: weiße, weite Strände und blaues, klares Meer.

Doch was, wenn man nun wirklich in der Karibik ist? Wie beschreibt man einen Ort dann? Die Karibik sieht aus wie die Karibik? Die nächste Vergleichsgröße wäre das Paradies. Genau das wollen die Passagiere der MS Fram in den nächsten Tagen finden. Wie ist es, dort zu sein? Und wie wird es sein, wieder zu gehen?

Die MS Fram ist ein acht Decks hohes Expeditionsschiff, das gewöhnlich in polaren Gewässern unterwegs ist und am Äquator genauso neu ist wie ich. Mein halbes Leben war ich in Kroatien im Urlaub, und danach habe ich auch noch nicht so viel von der Welt gesehen.

"Connect with your inner explorer" – "Verbinde dich mit deinem inneren Entdecker", ist das Motto dieser Reise, die uns in den nächsten 15 Tagen in etliche Länder führen wird: Panama, Nicaragua, Kolumbien, Honduras, Belize und Mexiko. Zu unseren Ausflügen gibt es immer wieder Vorträge an Bord. Die Vortragenden sind Teil des Expeditionsteams und kommen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Wir werden viel über die Maya, Piraten, Korallen und Delfine hören.

Der Tag beginnt mit einem Vortrag von Henryk Wolski, einem Historiker aus Polen. Er erzählt uns, passend zu unserem ersten Reiseziel, von der Geschichte Panamas, den Eroberern und dem Bau des Kanals. Wenn ich mir meinen inneren Entdecker vorstelle, dann sieht er aus wie Henryk. Ein drahtiger Mann, mit grauem Haar und braun gebrannter Haut. Seine Lesebrille sitzt ganz vorne auf der Nase. Sein Hallo klingt wie "challo", und seine Witze sind wirklich gut.

Am Vormittag werden alle Passagiere auf kleine Speedboote gepackt, mit denen es an Land geht. Unser erster Halt: Aguja Island im Norden Panamas, so klein und abgelegen, wie es sich Verliebte für ihre Flitterwochen wünschen. Die Insel ist Teil des San-Blas-Archipels, der aus 378 weiteren Inseln besteht.

Wenn die Zehen sich in den Sand graben und der Wind einmal durchs Haar fährt, ist man angekommen. Von dem Strand, an dem wir gelandet sind, kann man durch die Palmen das andere Ende der Insel sehen. Der Sand ist hellgelb, das Wasser so klar, dass man, wenn man bis zur Brust darin steht, noch immer auf den Grund schauen kann. Einigen bleibt der Mund offen stehen.

Eine Amerikanerin, Chanel-Brille und ausladender Strohhut, findet als Erste Worte dafür: "Oh my God, it is so beautiful!" Und ja, wenn Gott das hier geschaffen hat, muss man ihm gratulieren. Ein zauberhafter Ort, zumindest so lange, bis alle 148 Passagiere der MS Fram ausgeladen sind und die Insel voll ist. Dann verschwinden Gesichter hinter Kameraobjektiven, und man hört entnervtes Schnaufen, weil ständig jemand durchs Bild läuft. Eine Frau im orangenen Badeanzug posiert vor einer Palme. Ein Mann steht im Wasser und hält beide Daumen hoch, ein Pärchen knutscht für ein Selfie. Querformat, Hochglanz und in Farbe: Ich war dort.

Es geht darum, das Paradies zu sehen, nicht dort zu bleiben

Die Insel ist in sieben Minuten umschritten, sie ist normalerweise nicht bewohnt. Heute sind einige Frauen gekommen, sie haben selbst bestickte Stoffe, Schals und Kleider auf dem Boden ausgebreitet und an Leinen gehängt. Ein Kreuzfahrtschiff, selbst ein kleines wie die MS Fram, ist eine willkommene Chance.

Nach wenigen Stunden, die die meisten mit Plantschen und Sonnenbaden verbracht haben, geht es zurück aufs Schiff. Es steht noch eine zweite Insel auf dem Programm.