Kaninchen aus Stahl: "Rabbit" von Jeff Koons © Stephen Smith/Sipa USA/ddp

Er hat es wieder geschafft. Jeff Koons’ Skulpturen sind die teuersten, kein anderer lebender Künstler kann da mithalten. Am 15. Mai hoppelte Rabbit, ein steifohriges Edelstahl-Kaninchen aus dem Jahr 1986, als Los Nr. 15b bei Christie’s in New York auf den Rekordpreis von 81 Millionen Euro. Marktbeobachter, die Koons-Arbeiten jüngst als "leicht schwächelnd" registriert hatten, staunten.

Rund 6.300 Kilometer von New York entfernt, im thüringischen Steinbach-Hallenberg, nahm man es am nächsten Morgen knapp zur Kenntnis – und machte sich wieder an die Arbeit. Hier steht, wenn man so will, das Atelier des Rekord-Künstlers, und größer könnte der Kontrast zum New Yorker Auktionssaal kaum sein. Eingebettet zwischen grünen Hügeln und verträumten Dörfern am Fuß des Rennsteigs, hat sich die Arnold AG darauf spezialisiert, Skulpturen aus Metall zu bauen. Und zwar raumgreifende, spektakuläre Objekte für zahlreiche Stars der Kunstszene wie Jeff Koons, Ólafur Eliasson, Ayşe Erkmen oder Anish Kapoor. Die schicken ihre Ideen als Datensatz, mitunter vielleicht noch ein Miniaturmodell aus Gips – und überlassen alles Weitere den Engineering-Künsten der Experten.

"Wir sind der Pinsel der Künstler", sagt Uwe Arnold lachend. Der agile Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens weiß sehr wohl, dass ein Pinsel allein in diesem Fall wenig hilfreich ist. Um Biegen, Stanzen, Drehen, Schweißen geht es vielmehr, gleichgültig, ob das Ausgangsmaterial Edelstahl, Corten, Bronze oder Aluminium heißt. Dafür hat man hier nach und nach fünf Hallen errichtet, einige hoch wie Hangars an Flughäfen – und bis unter die Decke vollgepackt mit Kran- und Hebevorrichtungen. Denn was in dieser Fertigung zusammen- geschweißt wird, ist nicht nur tonnenschwer und sperrig, sondern obendrein empfindlich wie die sensiblen Künstlernaturen selbst.

Auf dem Weg durch die Fertigung bekommt der Besucher erst einmal einen Begriff davon, was aus Metall alles herzustellen ist: Blitzende, meterlange Relings für Superjachten, Gleichstromkästen für Straßenbahnen oder voluminöse Gehäuse für die Röntgenanlagen in Flughäfen. Die Unternehmensbereiche "Industrie" und "Projekt" liefern der Arnold AG zuverlässige Schwarzbrot-Erlöse.

Anspruchsvoll und schwierig zu kalkulieren sind hingegen die "Art"-Aufträge, keiner gleicht dem anderen. Solche im Volumen von um die 100.000 Euro gelten als klein.

Schon riecht es nach geschweißtem Metall, nach Alu, Lack und Lösungsmitteln. Es sirrt und pfeift, Funken fliegen, lautlos agieren hinter Schutzelementen Laserroboter der jüngsten Generation, Hebebühnen schweben in sieben Meter Höhe über Elementen, wie überdimensionale Bauklötze verstreut.

Vorbei geht es an einem Objekt, hoch wie ein Einfamilienhaus. Gerade einmal zwei Finger sind zu erkennen. Aber Arnold schüttelt den Kopf: Kein Wort darf er darüber verlieren. Wenn aus schlichtem Metall ein emotional beseeltes Kunstwerk und Millionenobjekt entsteht, sind die Künstler darauf bedacht, diesen Prozess in mythischem Dunkel zu belassen.

Penibel vertraglich abgesichert hat diesen Vorgang auch Jeff Koons, der einmal zugab: "Vieles von meinem Schaffen ist Verkaufen." Als ehemaliger Wall-Street-Broker hat er genug übers Business gelernt, um sicherzustellen, dass über aktuelle Projekte nicht das kleinste Detail aus der thüringischen Schmiede herausdringt.

Wie es zu diesen Aufträgen kam? Der 57 Jahre alte Firmenchef erinnert sich genau. Die Verbindung entstand über Hans Baumgart, den damaligen Geschäftsführer der Daimler Art Collection, der Jeff-Koons eine Skulptur abkaufen wollte, die erst auf dem Papier existierte. Aber der Künstler winkte ab, er habe keinen Hersteller dafür. Baumgart vermittelte den Amerikaner an die Arnold AG. Das ist jetzt über 20 Jahre her, und Koons’ Aufträge wurden immer aufwendiger und komplizierter – was die Größe betrifft, aber auch die elaborierte Farbgebung der hochglanz-brillanten Objekte in bis zu 15 Schichten.