Warum hat sich das gedreht? Warum gelten gerade ab dem Zeitpunkt, zu dem die Legenden von den Typen aufkamen, die in Hinterhofgaragen tüftelten, Bahnbrechendes entwickelten, sagenhaft erfolgreich und reich wurden, IT-Spezialisten automatisch als Männer?

"Zufall", sagt Ondrisek, ohne einen Augenblick nachzudenken. Dieser Zufall, erklärt sie dann, sei eigentlich im Marketing passiert, als sich in den Achtzigerjahren in den Werbungen für Computerspiele Bubenfotos durchgesetzt haben. Ondrisek glaubt: Es hätte genauso gut umgekehrt kommen können. "Ähnlich war es auch bei den Farben für Kinder. Rosa galt früher als Jungenfarbe, Blau als Mädchenfarbe. Erst in den Vierzigerjahren haben amerikanische Kaufhäuser angefangen, die Farben andersrum zuzuteilen, und irgendwie hat sich das dann durchgesetzt."

Diese männliche Dominanz will sie mit Women And Code wieder umdrehen.

Der Ansturm übertraf ihre Erwartungen: Die Kurse, die im vergangenen September begonnen haben, sind Wochen im Voraus ausgebucht. Für das zweite Semester wurde das Angebot verdreifacht, neben JavaScript stehen nun die Programmiersprache Python und Web Development auf dem Programm. Auch Intensivkurse für Fortgeschrittene gibt es regelmäßig, zudem die ersten Studiengruppen in Linz.

Die beiden Gründerinnen zahlen sich kein Gehalt

Dennoch reichen die Plätze nie aus. Während der Vorstellungsrunde beim jüngsten JavaScript-Kurs erzählen gleich vier der Teilnehmerinnen vom monatelangen Warten auf einen freien Platz, und Barbara Ondrisek bleibt nicht viel mehr, als zu sagen: "Wir hoffen, dass wir im nächsten Semester mehr bieten können."

Ob das klappt, hängt auch an der Finanzierung. Bislang erhält die Organisation keine öffentlichen Förderungen. Verschiedene Co-Working-Spaces und Unternehmen stellen für die Kurse ihre Arbeitsplätze gratis zur Verfügung, einige größere Unternehmen aus dem Technologiesektor sind als Sponsoren auch mit finanziellen Mitteln an Bord. Für mehr als das aktuelle Angebot reicht das aber kaum aus.

Die beiden Gründerinnen zahlen sich kein Gehalt; Barbara Ondrisek arbeitet 30 Wochenstunden als Teamleiterin und Entwicklerin bei einem IT-Unternehmen in der Entwicklung von Blockchain-Applikationen. Die Geschäftsführung der Chatbot-Agentur, die sie gegründet hatte, hat sie abgegeben und wirkt nur mehr gelegentlich als freie Beraterin mit. Alles geht sich nun einmal nicht aus – "und es war einfach wieder Zeit für etwas Neues".

Barbara Ondrisek fällt jetzt das Märchen von Goldlöckchen ein, das im Haus der drei Bären alle Stühle, Betten und Schüsseln voller Brei probiert – so lange, bis sie die je beste Variante für sich gefunden hat. Ondrisek lacht, als sie sagt: "Bei diesem riesigen Angebot an Jobs in der Branche fühlt man sich eigentlich immer wie Goldlöckchen."