Im März 2018 fand in Dresden das große Streitgespräch statt zwischen den Schriftstellern Durs Grünbein und Uwe Tellkamp. Es ging um Meinungsfreiheit, um die Frage, ob es so etwas wie Gesinnungskorridore, einen linken Mainstream also, gebe. Sollte der Veranstaltung die Hoffnung zugrunde gelegen haben, dass zumindest zwei Schriftsteller, von Berufs wegen Multiperspektivisten, einander fruchtbringend zuhören könnten, selbst wenn sie die Welt grundsätzlich anders sehen, so hatte sie getrogen. Der Riss, der durch Deutschland geht, geht auch mitten durch die Literaten-Welt. Am Ende dieses Abends meldete sich aus dem Publikum der Verleger des rechtsradikalen Antaios-Verlags zu Wort und erklärte befriedigt (als gingen alle seine strategischen Hoffnungen damit auf): Alles müsse auf den Tisch, und der Riss müsse noch viel tiefer werden.