Meine Woche war geprägt von Lieferschwierigkeiten. In unterschiedlichsten Varianten. Da waren zuallererst meine eigenen. Mir wollte einfach kein Kolumnenthema einfallen, den ganzen Tag starrte ich an die Wand, aber mein blödes Gehirn lieferte nicht. Es ist sehr unangenehm, etwas zu versprechen, was man nicht halten kann.

Zum Glück fuhr ich dann auf eine Hochzeit. Dafür hatte ich mir sogar neue Schuhe bestellt, aber das Paket kam nicht rechtzeitig, der Bote hatte einfach zu viele Stationen an dem Tag. Die Hochzeit war weit entfernt, und ich nahm den Zug, der Umwelt wegen. Als der Lautsprecher eine Verzögerung "aufgrund einer verspäteten Bereitstellung des Zuges" ankündigte, lächelten sich die Menschen am Gleis noch wissend an. Das änderte sich, als aus der halben Stunde eine ganze wurde. Was ich dann sah, glich einer sadistischen Reality-Show: weinende Kinder, alte Menschen, die über ihre Koffer stolperten, wütende Männer, die "Weitergehen!" durch die vollen ICE-Gänge brüllten. Als ich acht Stunden später aus dem Zug herausfiel, sah ich die Worte "unterwegs mit Ökostrom" auf der Außenwand des ICE stehen. Da dachte ich, ich könnte doch analog zum Phänomen Flugscham über Bahnhass schreiben. Ich hatte kurz das Bedürfnis, so oft um die Welt zu fliegen, dass der Klimawandel sich beschleunigt, damit man in der resultierenden postapokalyptischen Welt wirklich nie, nie wieder mit der Bahn fahren muss. Aber dann fand ich das Thema alt.

Die Hochzeit wurde in einer ländlichen Region gefeiert, und wir mussten ein Taxi bestellen, um ins Hotel zu kommen. In der Zentrale hieß es, man sei total ausgelastet und könne frühestens in einer Stunde einen Wagen schicken. Wenn man innerlich gewillt ist zu gehen, aber nicht wegkann, verwandelt sich auch die schönste Hochzeit in das Vorzimmer zur Hölle. Sicher, man hätte sich einfach ein alternatives Taxiunternehmen googeln können. Aber leider konnte niemand ins Internet. Darüber wunderte ich mich zunächst, bis mir einfiel, dass in Deutschland die Netzabdeckung schlechter ist als in Albanien. Die wertvollen Daten kommen einfach nicht an.

Meine Themenlosigkeit machte mich langsam nervös, und ich überlegte, über Lidl zu schreiben. Der Discounter begann vergangene Woche nämlich mit dem Verkauf des Beyond-Meat-Burgers, eines neuen veganen Fleischersatzes aus den USA. Der sieht aus wie Fleisch, schmeckt wie Fleisch, riecht wie Fleisch. Ist aber keins. Als die Kunden morgens in die Läden gingen, waren die Burger jedoch ausverkauft. Im Netz beschwerten sich daraufhin lustige unzufriedene Veganer, eine erzählte, wie sie mit dem Auto von Filiale zu Filiale fuhr, um doch noch einen Burger zu finden, ein anderer (Nutzername KiwiKaiser, aus Berlin) kritisierte Lidl für die schlechte Planung. Ob der Discounter nun Lieferschwierigkeiten hatte oder doch nur geschickt auf sich aufmerksam machen wollte, war nicht ganz klar. Ich schrieb schon los, da las ich ein Interview mit FDP-Chef Christian Lindner, in dem er in etwa sagte: Die Grünen wollen den Deutschen das Fleisch wegnehmen. Als man ihn später auf Twitter darauf hinwies, dass bei Lidl gerade ein veganer Burger ausverkauft sei, erklärte er seine Freude darüber, denn er habe Aktien von Beyond Meat.

Ich fragte mich gerade, ob man eigentlich den Zeitgeist bashen und gleichzeitig von ihm profitieren kann, als mir einfiel, dass die FDP sowohl den Netzausbau als auch wettbewerbsgetriebenen Umweltschutz im Programm stehen hat. Und dass wir die Regierung, die Lindner gerade "instabil" nannte, ja nur haben, weil er keine Lust hatte zu regieren. Da war ich ganz versöhnt mit meiner Schreibblockade, denn das sind wirklich Lieferschwierigkeiten einer ganz anderen Art.