Vor 14 Jahren wollte Axel Springer die Fernsehsender ProSiebenSat.1 kaufen. Doch die Kartellwächter waren dagegen. Seither ist die vom Ex-Journalisten Mathias Döpfner geführte Axel Springer SE zum Medien- und Internetkonzern geworden, der eine digitale Jobbörse betreibt und eine Wohnungsplattform mehrheitlich besitzt. Etwa die Hälfte des Umsatzes entsteht im Ausland, die Geschäftssprache ist neuerdings Englisch.

Doch das Geschäft mit den Zeitungen um die Bild ist schwierig. Springer will ein journalistisches Haus bleiben – und muss sich gleichzeitig der Konkurrenz von Google und Amazon erwehren. Investoren sind skeptisch, ob das gelingen kann. Der Kurs fiel seit Mai 2018 um rund ein Drittel. Im März reagierten Anleger sogar negativ auf Döpfners Ankündigung, langfristig investieren zu wollen.

Nun feiert die Börse. Axel Springer verhandelt intensiv mit der mächtigen New Yorker Private-Equity-Firma KKR. Dabei soll KKR den heutigen Anteilseignern ihre Papiere abkaufen und die Hauptaktionärin Friede Springer ihren Anteil von über 40 Prozent behalten.

Ungestört von der Börse soll dann die digitale Expansion weitergehen. Fragt sich nur, ob dieser dramatische Versuch eines Unternehmens, das seit fast 35 Jahren an der Börse gelistet ist, funktioniert. Und welche Gefahren eine Private-Equity-Firma mit sich bringt, die irgendwann gewinnbringend verkaufen will.

DIE ZEIT: Herr Godard, Sie beobachten die Zeitungsbranche für Ihr Analysehaus seit Jahren. Waren Sie überrascht vom Vorstoß des Unternehmens?

François Godard: Viele Medienunternehmen bleiben bei ihrem klassischen Geschäft. Springer hingegen ist das vielleicht expansivste Medienhaus in Europa. Man hat vieles versucht, den Kauf von ProSiebenSat.1, den Kauf und die Integration von N24, die Erweiterung der Geschäfts ins Internet hinein gegen Google oder Apple. Jetzt der Schritt mit KKR. Als neuer Versuch überrascht er mich nicht.

ZEIT: In anderen Branchen gibt es schon länger den Trend, dass Unternehmen von der Börse genommen werden, um besser oder größer zu werden. Wie ist das bei den Medienfirmen?

Godard: Soweit es um klassische Medienhäuser geht, ist Springer ein Pionier. Der Trend bei solchen Verlagen ist es eher, dass sie von Oligarchen oder anderen Milliardären gekauft werden. Springer ist originell. Auch weil es sich von der historischen Basis entfernt hat, das Mediengeschäft im Internet ausgebaut und bei den digitalen Rubrikenanzeigen expandiert hat, während es die beiden großen Zeitungen behielt.

ZEIT: Unterscheidet sich das wirklich erheblich von anderen internationalen Zeitungshäusern?

Godard: Ja, Springer ist da auf einem anderen Planeten als die New York Times , die Washington Post oder Le Monde. Man versucht nicht nur zu überleben, sondern sich wirklich zu erweitern.

ZEIT: Und Private Equity kann dabei helfen?

Godard: Es kann einen unterstützen, wenn man sein Geschäft restrukturieren will. Das hat Springer aber schon getan. Und es kann helfen, wenn man längerfristig handeln will und die vierteljährlichen Reaktionen der Börse vermeiden will. Die Börse hatte zuletzt wenig Sinn für Firmen, die nicht sofort versprechen können, dass sie Monopolist auf einem digitalen Markt werden. Sie will einfach einen solchen imperialistischen Plan sehen und eine solche Story hören – wie bei Netflix oder so. Ist man aber auf Märkten mit viel Wettbewerb und hat man es mit Google und Facebook zu tun, dann ist die Börse schwierig, und das Management muss viel Energie aufbringen, um seine Strategie zu erklären und auf Anfragen der Investoren zu reagieren. Private Equity kann da eventuell geduldiger sein.