Wenn Nobelpreisträger und Tausende Jugendliche dasselbe Ziel verfolgen, kann es nicht der größte Unfug sein. Anfang Januar forderten mehr als 3.500 amerikanische Ökonomen im Wall Street Journal eine Steuer auf Kohlendioxid. Die CO₂-Steuer sei "der kosteneffektivste Hebel, um Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren", stand da. Unterschrieben hatten den Aufruf unter anderem 27 Nobelpreisträger und diverse Ex-Chefs der amerikanischen Notenbank. In Deutschland formierte sich derweil der "Fridays for Future"-Protest. Die Jugendlichen, die wegen des Klimas auf die Straße gehen, stellen Forderungen. Die konkreteste ist eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen in Höhe von 180 Euro je Tonne CO₂.

Die Steuer auf Kohlendioxid ist eine alte Idee. Doch seit die Allianz von greisen Ökonomen und jungen Wilden sie fordert, wird die Politik zum Handeln getrieben. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) findet die Steuer neuerdings bedenkenswert, Grünen-Chefin Annalena Baerbock ist schon länger dafür. Die Union sieht das zwar noch anders, sie will CO₂ lieber auf andere Art bepreisen. Doch das beschert ihr wenig Freunde. Der YouTuber Rezo hat in seiner millionenfach geklickten Wutrede "Die Zerstörung der CDU" angeprangert, dass die Partei es nicht schaffe, dieses Problem wirklich anzugehen.

Die Idee der Steuer ist bestechend: Sie versieht Emissionen, die bislang kostenlos sind, mit einem Preis. Dadurch wird alles teuer, was viel CO₂ ausstößt. In der Folge sollen Menschen quasi automatisch ihr Geld für klimaschonende Dinge ausgeben. Damit die Leute darüber nicht arm werden und der Staat reich wird, sollen die Einnahmen aus der Steuer als Pro-Kopf-Pauschale an die Menschen zurückgehen. Wer also besonders wenig CO₂ ausstößt, kann am Ende sogar profitieren, weil er mehr ausgezahlt bekommt, als er selbst zahlen musste. Wer viel CO₂ ausstößt, der verliert.

Dieser Mechanismus bereichert zwar die Staatskasse nicht, lässt sich dafür aber Wählern gut verkaufen. Auf einmal gilt die Steuer nicht nur als Weg zur Klimarettung, sondern auch noch als sozial gerecht. Denn tendenziell verursacht derjenige mehr CO₂, der mehr verdient. Die Autos der Wohlhabenden sind größer, die Häuser auch. Wenn man es dann je Kopf zurückverteilt, müssten dann nicht die Armen gewinnen? Annalena Baerbock formuliert es so: "Es profitieren gerade Familien, gerade niedrige Einkommen."

Doch kann es wirklich sein, dass eine Steuer, bei der es eigentlich ums Klima geht, auch noch die Verteilung verschönert? Dazu gibt es bislang kaum Zahlen. Die Regierung lässt das gerade erst prüfen.

Wer jetzt schon mehr wissen will, muss selbst rechnen. Für die ZEIT haben das die Wissenschaftler Manuel Frondel und Stephan Sommer vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in Essen getan. Die Ökonomen gehen davon aus, dass die neue Steuer beim Heizen auf Öl und Gas gezahlt würde sowie beim Autofahren auf Benzin und Diesel. Strom und Flugreisen bleiben außen vor. Denn Ersterer fällt schon unter den europäischen Emissionshandel. Und beim Kerosin ist eine europäische Lösung vonnöten, weil die Fluggesellschaften sonst zum Tanken in Nachbarländer ausweichen.

Die Forscher betrachten zwei Fälle: eine Steuer in Höhe von 20 Euro je Tonne CO₂ – ein Einstiegspreis, den Ökonomen empfehlen – und eine Steuer von 180 Euro je Tonne CO₂ – eine hohe Forderung, die Klimaaktivisten aber am liebsten schon dieses Jahr verwirklicht sähen. Die kompletten Einnahmen der Steuer gehen jeweils als Kopfpauschale zurück an die Bevölkerung.