Die Umverteilung zwischen Arm und Reich durch die Klimasteuer hat eine weit weniger eindeutige Richtung. So fahren einkommensschwache Haushalte etwas weniger Auto und geben weniger fürs Heizen aus, wodurch sie gewinnen. Die teuren Heizungen mit Öl sind hingegen bei Arm und Reich gleich verteilt. Und an anderer Stelle gewinnen eher die Wohlhabenden. Besonders gut stehen nämlich alle Menschen da, die schon in eine Wärmepumpe, ein Elektroauto oder andere technische Neuerungen investiert haben. Das seien genau diejenigen, die das Geld gar nicht nötig hätten, sagt Frondel. Der Effekt könnte sich auf Dauer noch verstärken, weil die Ärmeren oft zur Miete wohnen. "Die Vermieter haben keinen Anreiz, mehr als zuvor in neue Heizungsanlagen zu investieren", sagt Frondel. "Und die Mieter bleiben auf den Kosten sitzen."

Die Verwerfungen entstehen vor allem durch die vielen Ausnahmen

Die CO₂-Steuer bewirkt also eine Umverteilung: vom Land zur Stadt; von Öl-Heizern zu Pellet-Fans; von Singles/Paaren/Alleinerziehenden zu Familien. Dass besonders die Einkommensschwachen profitieren, ist unwahrscheinlich.

Eine CO₂-Steuer hat demnach zwar Vorteile fürs Klima, sozial gerecht ist sie jedoch eher nicht.

Das kann vielleicht auch gar nicht anders sein. Schließlich ist ihr eigentliches Ziel nicht soziale Gerechtigkeit, sondern Verhaltensänderung. Es gilt das Dilemma: Je mehr Härten die Politik ausgleicht, desto weniger Verhalten ändert sich. Luisa Neubauer, das Gesicht der "Fridays for Future"-Bewegung, formuliert das so: "Am Ende des Tages wird der Klimaschutz Einschnitte von uns verlangen. Die Zeit, in der wir die Sache easy hätten angehen können, haben wir längst verpasst." Trotzdem verlangt sie von der Politik, Verwerfungen zu verhindern.

Die entstehen, wie aus den Berechnungen hervorgeht, vor allem durch die vielen Ausnahmen. Soll man Fernwärme und Pellet-Heizungen also wirklich herauslassen aus dem Modell? Wie kann man Flüge mit einbeziehen? Wie den Vermietern Anreize geben, in neue Heizungen zu investieren?

Es könnte sogar sein, dass am Ende doch die Union, die aus allem ein gemeinsames Emissionshandelsmodell entwickeln will, die bessere Idee hat. Manuel Frondel jedenfalls hat mittlerweile diesen Verdacht.