Wie umgehen mit Donald Trump – diese Frage wird am Wochenende im Raum stehen, wenn die Finanzminister und Notenbankchefs der zwanzig führenden Wirtschaftsnationen (G20) in Japan zusammenkommen, um über die Lage der Weltwirtschaft zu beraten. Denn der amerikanische Präsident dreht gerade Schritt für Schritt die Globalisierung zurück. Auf der Liste der von ihm mit Strafzöllen belegten Waren stehen inzwischen:

Waschmaschinen aus Südkorea, Vietnam und anderen asiatischen Ländern.

Stahl aus Europa.

Aluminium aus Japan.

Kunstdünger, Matratzen, Schrauben, Kühlschränke und weitere Produkte im Wert von insgesamt 250 Milliarden Dollar aus China.

Bierfässer aus Deutschland.

In der nächsten Woche soll diese Liste um Medikamente, Chemikalien und Fotozubehör aus Indien erweitert werden. Dann kommen Autoteile, Avocados, Bier, Flachbildschirme und alle anderen Waren aus Mexiko dazu. Und das ist noch nicht alles: Wer eine Geldüberweisung aus dem Iran annimmt, muss mit scharfen Sanktionen der Amerikaner rechnen, Geschäfte mit Nordkorea und Venezuela hat Trump ebenfalls untersagt, genau wie neuerdings die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Technologiekonzern Huawei.

Das Seltsame ist: Die amerikanische Wirtschaft verkraftet das bislang vergleichsweise gut. Die Aktienkurse der amerikanischen Firmen sind zwar nach jeder protektionistischen Eskapade des amerikanischen Präsidenten gefallen, aber irgendwann auch meist wieder gestiegen. Die Arbeitslosenquote ist auf den niedrigsten Stand seit einem halben Jahrhundert gesunken. Und das amerikanische Bruttoinlandsprodukt ist zuletzt kräftig gewachsen.

Was ist da los?

Donald Trump hat auf seinem Lieblingsnachrichtenkanal Twitter erläutert, wie sich die Sache aus seiner Sicht darstellt: Er erteilt die Befehle, und der Rest der Welt hat zu gehorchen. Für Trump sind Zölle ein Druckmittel, um politische Ziele aller Art durchzusetzen. Deutschland beispielsweise soll mehr amerikanische Waffen und amerikanisches Gas kaufen, die Japaner sollen ihre Märkte für amerikanische Landwirtschaftsprodukte öffnen, die Mexikaner Flüchtlinge aufhalten, welche die Grenze zu den USA übertreten wollen. Er "liebe" Zölle, schrieb Trump.

Alle angesehenen Wirtschaftsberater haben das Weiße Haus inzwischen verlassen

Die Risiken dieser Strategie hält der amerikanische Präsident ganz offenbar für überschaubar. Das liegt daran, dass er ohnehin kein Fan der internationalen Arbeitsteilung ist. Trump – auch das geht aus seinen Äußerungen hervor – wünscht sich eine Welt zurück, in der amerikanische Verbraucher Autos kaufen, die in Amerika von amerikanischen Arbeitern hergestellt werden. Insofern hat er mit seiner Abschottungspolitik nichts zu verlieren – selbst wenn die "Deals", die er mit seinen Zolldrohungen erzwingen will, am Ende nicht zustande kommen.