Für diese Sichtweise spricht, dass praktisch alle angesehenen Wirtschaftsberater das Weiße Haus inzwischen verlassen haben. Der frühere Goldman-Sachs-Banker Gary Cohn ist schon seit einem Jahr weg, diese Woche hat auch noch Trumps Chefvolkswirt Kevin Hassett gekündigt. Jetzt sind im Wirtschaftsteam des Präsidenten nur noch der ehemalige Börsenreporter Larry Kudlow und der Ökonom Peter Navarro übrig, der unter Wirtschaftswissenschaftlern als Außenseiter gilt.

Allerdings haben diese beiden schrägen Vögel vielleicht etwas begriffen, was viele eher konventionell denkende Wirtschaftsforscher wohl lange unterschätzt haben: die Tatsache nämlich, dass das enorme weltwirtschaftliche Gewicht der Vereinigten Staaten dem Präsidenten eine Gestaltungsmacht verleiht, welche die Staatschefs aller anderen Länder schlicht nicht haben.

Beispiel Währung: Die meisten europäischen Länder würde es wahrscheinlich nicht wagen, einen Streit mit ihrer wichtigsten Gläubigernation anzuzetteln. Sie müssten fürchten, dass ihnen dann der Geldhahn zugedreht wird. Trump aber hat Zölle auf chinesische Waren eingeführt, obwohl chinesische Finanzkonzerne fast zehn Prozent aller amerikanischen Staatsanleihen halten. Der Unterschied: Dass die Chinesen den Amerikanern wirklich Schaden zufügen können, ist alles andere als sicher. Die Regierung in Peking könnte ihre Banken zwar anweisen, die Anleihen zu verkaufen. Es fänden sich aber wahrscheinlich genug andere Länder, die die Bestände gern übernehmen würden – schließlich ist der Dollar die Weltleitwährung, und die ist immer gefragt.

Beispiel Handel: Die deutsche Volkswirtschaft wäre wahrscheinlich längst kollabiert, wenn die Bundesregierung die deutschen Märkte so abgeschottet hätte, wie Trump es mit den amerikanischen tut. Immerhin trägt der Export etwa 48 Prozent zur deutschen Wirtschaftsleistung bei. Der vergleichbare Wert für die USA liegt bei lediglich zwölf Prozent. Weil sie ihr Geld vor allem im Inland verdienen, sind amerikanische Firmen weniger stark vom Auslandsgeschäft abhängig. Das ist in einem Zollkonflikt ein klarer Vorteil.

Beispiel Sanktionen: Die USA sind für die meisten Unternehmen als Absatzmarkt so wichtig, dass kaum ein Konzern den Zugang zu diesem Markt verlieren will. Deshalb befolgen die meisten europäischen Firmen brav die Vorgaben aus Washington, auch wenn sie das rechtlich betrachtet eigentlich nicht tun müssten. So haben sich inzwischen fast alle wichtigen deutschen Unternehmen entgegen dem Willen der deutschen Bundesregierung aus dem Iran zurückgezogen.

Einschränkungen des Welthandels treffen Trumps Gegner also zumindest kurzfristig deutlich härter als ihn selbst. Die Investmentbank Morgan Stanley geht etwa davon aus, dass der von Trump angekündigte Strafzoll in Höhe von zunächst fünf Prozent auf mexikanische Produkte das Wirtschaftswachstum Mexikos um 0,7 Prozentpunkte reduzieren wird, die zu erwartenden Einbußen für die amerikanische Wirtschaft dagegen seien kaum messbar.