DIE ZEIT: Jonas, Sie sind 27, ein Jahr älter als Rezo – und beraten Politiker und Medien, wie man erfolgreich im Netz kommuniziert. Haben Sie einen Rat für Ihren Vater, 59, den Chef der deutschen Protestanten?

Jonas Bedford-Strohm: Regel Nummer eins: Versuche auf Social Media nie, professionell rüberzukommen, sonst wirkst du verdächtig. Die Aura von Kommunikation hat sich grundlegend gewandelt – wir wollen echte Menschen sehen! Das fällt großen Institutionen wie der Kirche schwer. Dagegen hilft nur, dass Führungskräfte sagen: Ich mache mich jetzt mal angreifbar, ich zeige mich menschlich.

ZEIT: Trauen Sie sich das, Herr Landesbischof?

Heinrich Bedford-Strohm: Ich habe eine Facebook-Seite, auf der ich jedes Wort selbst schreibe. Ich lasse meine Tweets nicht genehmigen. Reicht Ihnen das?

ZEIT: Es ist definitiv ein Risiko. Zucken Ihre Kollegen im Rat der EKD manchmal zusammen, wenn Sie wieder gepostet haben?

Heinrich B-S: Ich glaube nicht. Aber ich bin nicht nur Privatperson, sondern Vertreter von 21 Millionen Protestanten. Früher, als Professor an der Universität, konnte ich laut nachdenken. Wenn ich das heute ungeschützt tue, steht der Gedanke am nächsten Tag als EKD-Position in einer Schlagzeile in der Zeitung.

ZEIT: Was wäre so schlimm daran?! Und haben Sie das Gefühl, über Facebook und Twitter die Jüngeren zu erreichen? Sie haben dort insgesamt 16.800 Follower. Der Papst hat 18 Millionen, Rezo allein auf seinen beiden YouTube-Kanälen 2,5 Millionen.

Heinrich B-S: Ich bin ja auch kein Popstar! Aber ich kann auf Facebook jeden Tag zeigen, was in der Kirche Großartiges und Segensreiches passiert.

ZEIT: Ihnen wurde vorgeworfen, Sie würden auf Kommentare nicht antworten.

Heinrich B-S: Ich würde gern noch mehr antworten, aber ich kann ja nicht den ganzen Tag vorm Computer sitzen. Es bringt trotzdem was. Nach einem Gottesdienst sprechen mich oft Leute an und sagen: Wir kennen uns doch von Facebook!

Jonas B-S: Da hast du aber durchs Ausprobieren auch deine Meinung etwas geändert. Als du Bischof wurdest, habe ich dir die Facebook-Seite eingerichtet und musste dich überzeugen, sie offensiv zu nutzen. Jetzt, knapp sechs Jahre später, ist es genau dein Ding!

Heinrich B-S: Selber auf Social Media zu sein hat meinen Blick auf das Digitale auf jeden Fall verändert.

Jonas B-S: Vorher lag die Welt von Social Media für dich auf einem anderen Stern. Aber das Internet ist keine Parallelwelt, sondern echtes Leben. Das sind alles echte Menschen, die am Computer sitzen und auch im Gottesdienst auftauchen könnten. Mich frustriert, dass viele in der Kirche Social Media immer noch dogmatisch ablehnen.

Heinrich B-S: Die Kirche hat zu lange gebraucht, um einzusehen, wie zentral die digitale Welt für die Jugend ist.