Die folgende Pointe funktioniert leider nur auf Englisch. Warum gibt es keine einarmigen Ökonomen? Weil die immer dozieren: "On the one hand, on the other hand." Die neuesten Erkenntnisse über das Einerseits-andererseits und die Frage, ob Maschinen den Menschen die Arbeit wegnehmen, liefern die Forscher Daron Acemoglu vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Pascual Restrepo von der Boston University anhand amerikanischer Daten.

Vorweg ein Wort dieses Autors: Die landläufige Vorstellung von der Jobvernichtung ist falsch. Wenn die Automaten Arbeitsplätze fressen, warum gibt es Vollbeschäftigung in Amerika und Deutschland trotz Industrie 4.0? Aus historischer Sicht: Wieso haben seit Beginn der Industrialisierung Abermillionen Arbeit gefunden, obwohl ein Schaufelbagger hundert Spatenträger ersetzen konnte?

Trotz explodierender Produktivität blieb der Mensch im Geschäft. Auch trotz immer neuer Konkurrenten. Traditionell haben nur die Männer in der Wirtschaft malocht, während sich die Frauen um Kinder und Küche kümmerten. Im 20. Jahrhundert drängten die Frauen auf den Arbeitsmarkt. In den USA arbeiten inzwischen 60 Prozent von ihnen, derweil der Anteil der Männer kaum gefallen ist. Daraus folgt: Trotz Digitalisierung ist die Nachfrage nach Hirnen und Händen kräftig gestiegen. Auch die millionenfache Einwanderung und Landflucht wurden vom Markt aufgesogen, ganz gleich, wie tüchtig und wohlfeil die Maschinen waren.

Technik wird die menschliche Arbeit ergänzen, nicht ersetzen

So weit die trostreiche Geschichte. Weder das Fließband noch der Roboter haben bis jetzt die Schreckensvision der Maschinenstürmer bestätigt.

Und nun?

Die Antwort, so Edward Lazear von der Stanford Business School, "hängt immer davon ab, ob die neue Technik menschliche Arbeit ersetzt oder ergänzt". Der Autobau am Fließband hat Kutscher, Wagner und Pferde arbeitslos gemacht, zugleich aber den Pkw-Preis gestaucht, die Massenmotorisierung entfesselt und Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen. Die Geldautomaten haben Kassierer die Arbeit gekostet, aber mit den Einsparungen haben die Banken neue Filialen eröffnet, wo Angestellte womöglich mit höherem Lohn nun Finanzdienstleistungen verkaufen. Roboter können Hemden schneidern, aber keine neuen Designs erfinden, also den menschlichen Geist ersetzen.

Acemoglu und Restrepo argumentieren: Maschinen machen Arbeiter produktiver und wertvoller, was die Nachfrage nach ihnen und damit auch die Löhne steigen lässt. Der technologische Fortschritt schafft auch neue Jobs. Die Computerisierung erfordert Coder, IT-Administratoren, Wartungskräfte, App-Designer, Sicherheitsspezialisten – und Buchhalter und Bürokräfte sowieso. Die beiden Autoren drücken das so aus: "Etwa die Hälfte des Jobzuwachses von 1980 bis 2015 fand in Sektoren statt, wo neue Titel und Stellenbeschreibungen entstanden waren." Neue Aufgaben erfordern neue Talente – so wie weiland der Kutscher zum Chauffeur mutierte.

Ganz generell: Steigt die Arbeitsproduktivität ("Ergänzung" durch Technik), steigt auch die Nachfrage nach Arbeitern. Andererseits: Das sei nur bis in die Achtziger der Fall gewesen, schreibt das Duo. Und es sei "falsch" zu unterstellen, dass "jedweder technologische Fortschritt die Produktivität und so die Nachfrage nach Arbeitskräften erhöhe". Während menschliche Arbeit nach wie vor eine "Schlüsselrolle" im Produktionsprozess spiele, lasse sich in den "vergangenen drei Jahrzehnten eine Verlangsamung im Nachfragewachstum beobachten".

Es fehlen gut ausgebildete Arbeitskräfte, die mit den Maschinen mithalten können

Also doch "Ersetzung" statt "Ergänzung"? Kommt nun endlich, was seit 200 Jahren vorausgesagt wurde, aber nicht eingetreten ist? Dazu eine neue Frage: Wenn Automatisierung so toll ist, warum das schwächelnde Produktivitätswachstum in fast allen hoch entwickelten Ländern? Vor zehn Jahren lag das Wachstum bei 2,3 Prozent. Jetzt beträgt es nicht einmal ein halbes. Ein Beispiel: Computer ersetzen den Kundenbetreuer ("bitte drücken Sie die Eins"), bringen es aber nicht. Sie erhöhen den Frust und senken mit den Kosten die Produktivität. Unterm Strich eher ein Verlust.

Die Autoren erklären die schwächelnde Nachfrage nach Arbeitskräften mit anämischem Produktionswachstum. So weit, so gut; so hätten auch die Großen wie David Ricardo und John Maynard Keynes argumentiert. Sind die Roboter schuld? Die Antwort von Acemoglu und Restrepo ist bloß eine weitere Frage: "Wieso ist die Produktivitätssteigerung so enttäuschend, wenn die Automatisierung sich so beschleunigt?" Weil künstliche Intelligenz die Kosten treibt, die durch bessere Qualität nicht ausgeglichen werden? Man denke an Teslas "sehr kostspieligen Versuch, alles zu automatisieren". Die Autoren beklagen ganz allgemein "exzessive" Digitalisierung. Und kritisieren die Verdrängung des "menschlichen Elements". Es fehlten überhaupt die gut ausgebildeten Arbeitskräfte, die mit den Maschinen mithalten oder neue Aufgaben übernehmen könnten, was wiederum neue Jobs schaffen würde.

Wie sieht also die Zukunft aus? Einerseits: "Das Ende menschlicher Arbeit ist nicht nah." Andererseits: "Die Technologie wird nicht immer und überall die Arbeiterschaft begünstigen." Nehmen wir ihnen diese zaghafte Antwort nicht übel. Ökonomen sind auch keine Propheten.