Schon wieder Aufregung um das Humboldt Forum in Berlin. Eigentlich war die Eröffnung der ersten Ausstellungen im rekonstruierten Stadtschloss für den November dieses Jahres geplant. Doch dazu kommt es nun nicht, weil die Haustechnik noch nicht so weit ist. Also müsse das Schloss leer eröffnen, schrieben manche Zeitungen und sahen darin einen veritablen Skandal – zu Unrecht, wie sich jetzt zeigt.

Die Eröffnung des ganzen Schlosses werde verschoben, so erklärten jetzt Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, und Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung Humboldt Forum. Erst im Laufe des Jahrs 2020 könne man das Haus einweihen – und zwar gewiss nicht leer. Den genauen Zeitplan wird der Stiftungsrat auf seiner Sitzung am 26. Juni ausarbeiten.

Wegen des allgemeinen Baubooms sind Bauarbeiter zurzeit Mangelware, weshalb es zu Verzögerungen und zur verspäteten Inbetriebnahme der technischen Anlagen gekommen sei. Ein Skandal ist das nicht. Im Gegenteil: Das Hohenzollernschloss liegt ziemlich gut im geplanten Kosten- und Zeitrahmen.

Wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie, hieß es früher. Wenn man schaut, wie die öffentliche Meinung mit dem Humboldt Forum umgeht, muss die Liebe grenzenlos sein. Allerdings kann man sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, als gehe es der oft maßlosen Kritik darum, die Institution beispielhaft scheitern zu sehen, damit Deutschland eine symbolträchtige Quittung erhält. Wofür? Nun, da sind viele Mütchen zu kühlen: eine Quittung dafür, den Palast der Republik abgerissen, das Preußenschloss samt Kuppelkreuz wiederaufgebaut zu haben und sich insgesamt als Nation nicht ausreichend zur eigenen kolonialen Vergangenheit zu bekennen.

Das Humboldt Forum steht im Zentrum vieler hochaktueller Diskurse. Etwas Besseres kann einem Museum nicht passieren. Es ist das Gegenteil einer Totgeburt. Es wirbelt Staub auf noch vom kleinsten Objekt seiner ethnologischen Sammlung. Auch Gegenwind ist Wind, den man als Antriebsquelle nutzen kann. Aber etwas mehr intellektuelle Fairness sollte die Öffentlichkeit schon aufbringen: Wenn zu Recht so hohe Erwartungen mit diesem Museum verbunden sind, dann kann man nicht verlangen, dass Hartmut Dorgerloh, der seit einem knappen Jahr das Humboldt Forum leitet, eine instant satisfaction-Lösung aus dem Ärmel schüttelt.