Der Bonner Philosophiestudent namens Jürgen Habermas war am Tag zuvor 23 Jahre alt geworden, als sein erster Feuilletonartikel erschien. Stalin herrschte in Moskau, und Elisabeth II. hatte gerade in London den Thron bestiegen; in der Bundesrepublik sollte demnächst ein brandneues Medium starten, das sogenannte Fernsehen, für vorerst kaum tausend Interessierte. Da schrieb also in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 19. Juni 1952 der junge Student über einen der großen Alten, über den Dichter Gottfried Benn. Und mittendrin fällt nebenbei ein frecher, ernster Satz: "Das Leben besteht eben nicht nur aus Orgasmen und Handlungen, die diese vorbereiten." Man stutzt und wundert sich, wie klar offenbar dieser unbekannte Philosophiestudent bereits Vernunft und Verantwortung im Blick hat.