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Ihr erstes deutsches Zuhause liegt an einer vierspurigen Straße: eine Turnhalle im Osten Berlins, November 2015. Für jeden gibt es eine Matratze auf einem Doppelbett aus Stahl. Studenten wie Analphabeten, Informatiker wie Handwerker und Junkies werden hier leben, Männer aus 14 Ländern. Manche nur wenige Tage, andere elf Monate lang, bis die Turnhalle als Notunterkunft für Flüchtlinge ausgedient hat. Und dann?

Ahmad F., 31, aus Syrien wohnt in einer WG mit anderen Geflüchteten. Er hatte in Syrien in einer Teppichfabrik gearbeitet. Bisher hat er die ersten zwei von sechs Deutschkursen geschafft und einen Job als Bodenleger gefunden.

Salah I., 28, aus Syrien hat in seiner Heimat Englisch auf Lehramt studiert. In Berlin hat er einen Minijob in einem Souvenirgeschäft am Alexanderplatz.

Amer A., 21, aus Syrien, lebt in einer WG. Er spricht fließend Deutsch und ist arbeitslos.

Hesham S., 46, aus dem Irak, spricht fast kein Wort Deutsch, hat keine Arbeit und auch keine deutschen Freunde.

Jihad A., 21, aus Syrien ist nach Dortmund umgezogen, wo er auf dem Bau arbeitet.

Welie T., 21, aus Eritrea, ist nach Kitzingen bei Würzburg gezogen. Dort hat er eine Wohnung gefunden, aber keine Arbeit. Er spricht wenig Deutsch. Sein Berufswunsch ist Kameramann.

Ahmad K., 29, aus Syrien hat in seiner Heimat Französisch studiert und als Fitnesstrainer gearbeitet. Jetzt sucht er einen Ausbildungsplatz als Sport- und Fitnesskaufmann.

Carlos H., aus Syrien, ist Christ und fand Kontakt zu einer Kirchengemeinde. Gemeindemitglieder halfen ihm, eine Wohnung zu finden. Er ist Koch, hat ehrenamtlich in einem Jugendclub gearbeitet, ein Praktikum bei Siemens gemacht und will auf der Abendschule das Abitur nachholen.

Esmail T., 31, aus Syrien, lebt in einer WG. Er hat Chemie studiert und sucht nach einer Stelle als Chemiker. Er leistet einen Freiwilligendienst in einem Jugendclub.

Ali M., 21, aus Syrien, arbeitet in einer Bar und spricht kaum Deutsch.

Azizi N., 23, aus Afghanistan, lebt in einer WG. Er nimmt an einem Berufsvorbereitungskurs teil, der ihn für eine Ausbildung qualifizieren soll.

Ahmad A., 34, aus Syrien hat eine eigene Wohnung gefunden. Er hat Schwimmen gelernt und engagiert sich bei der Wasserwacht des Roten Kreuzes, er ist Rettungsschwimmer. Seit einem Jahr ist er in einer Berliner Softwarefirma angestellt. Nun hofft er auf den Nachzug seiner Frau – einer Kasachin, die er während seines Informatikstudiums in Indien kennengelernt hat – und des Sohnes. Die beiden leben in Kasachstan. © Meiko Herrmann für ZEIT ONLINE

Ward H., 24, aus Syrien, hat das syrische Abitur. In Berlin sucht er einen Ausbildungsplatz als Zahntechniker.

Ramez K., 28, aus Syrien, lebt in einer eigenen Wohnung im Berliner Osten. Er hat die elfte Klasse abgeschlossen und leistet einen Freiwilligendienst in einem Jugendclub.

Ahmad H., 24, aus Syrien, arbeitet bei einem sozialen Träger, der Menschen ins Berufsleben eingliedert. H. ist geistig eingeschränkt und wird gesetzlich betreut.

Anas B., 23, aus Syrien, spricht wenig Deutsch. Er interessiert sich nicht für eine Ausbildung, sucht Halt im Glauben und Anschluss in einer Moschee.

In der Hochphase im Herbst 2015 waren zwei Drittel aller Flüchtlinge alleinreisende junge Männer. 330 von ihnen kamen zwischen dem 18. November 2015 und dem 19. Oktober 2016 in der Turnhalle unter. Wir sind ihren Spuren in einer monatelangen Recherche gefolgt. Helfer und Sozialarbeiter aus der Notunterkunft und Beamte des Berliner Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten haben die Recherche unterstützt. Letztlich konnten wir 100 ehemalige Bewohner fragen, wie sie inzwischen leben. 100 von 1,2 Millionen, die 2015 und 2016 nach Deutschland geflüchtet waren .

Mohammed K., 29, aus dem Irak, kann sich auf Deutsch im Alltag verständigen. Er hat zwei Jahre lang Pharmazie studiert, in Deutschland ist er arbeitslos. Bodybuilding ist zu seinem Lebensinhalt geworden, er nimmt auch an Turnieren teil.

Omid T., 30, aus dem Iran, hat dort als Musiker in einer Band gespielt. Er lebt in einer eigenen Wohnung, spricht sehr gut Deutsch und würde gerne Tontechniker oder Informatiker werden.

Ali A., 23, aus Syrien arbeitet auf dem Bau.

Kenan B., 24, aus Syrien, lebt in einer WG. Er spricht fließend Deutsch und arbeitet als Anwendungstechniker, hat aber Schwierigkeiten, Kontakte zu seinen deutschen Kollegen zu knüpfen.

Mahmoud A., 32, aus dem Irak, spricht wenig Deutsch und jobbt bei Amazon.

Mahmoud Y., 29, aus Syrien lebt in einer eigenen Wohnung. Er war als Student in Damaskus politisch aktiv, spricht sehr gut Deutsch und studiert in Berlin. Nebenher jobbt er in einem Bahnhofskiosk.

Mohamad J., 32, aus Syrien, lebt in einer WG. Er spricht nur einfaches Deutsch und ist arbeitslos. Während seiner Zeit in der Turnhalle hatte er ein Praktikum in einem Kindergarten gemacht.

Ezzat M., 27, aus Syrien hat sein Wirtschaftsstudium in Syrien nicht abgeschlossen. Nun jobbt er bei einem Sicherheitsdienst, würde aber gerne eine Ausbildung zum Kaufmann machen.

Ahmad I., 25, aus Syrien, musste wegen des Krieges sein Studium der Telekommunikationstechnik abbrechen. Er ist ins bayerische Kempten gezogen und studiert dort an der Hochschule Informatik. Er spricht sehr gut Deutsch und lebt in einer WG.

Azad R., 21, aus Syrien, wohnt in Frankfurt am Main. Er arbeitet in einem Rasiersalon.

Mohamad F., 38, aus Syrien, hat in Syrien und in Tokio Wirtschaft studiert und macht nun eine Weiterbildung zum Buchhalter. Er spricht fließend Deutsch. Trotz vieler Versuche findet er keine eigene Wohnung in Berlin.

Osama H., 25, aus Syrien, macht eine Ausbildung zum Mechatroniker.