Von oben besehen, auf Karte oder Globus, haben Ibiza und Österreich fast die gleiche Form. Nur den wurmfortsatzähnlichen Landstreifen westwärts kann Österreich für sich reklamieren. Das soll gar nichts bedeuten, heute soll gar nichts irgendetwas bedeuten, es geht doch um das Trinken, oder? Oder um mehr? Seit Strache gilt für eine Saufnacht auf Ibiza eine neue Eskalationslogik. Die will ich überprüfen. Über diese Insel stolpern, deretwegen der FPÖ-Chef gefallen ist.

Die Autobahn vom Flughafen in die Stadt säumen Plakatwände, die für die berühmten Discos der Insel werben. Alle zehn Meter eins: David Guetta im Ushuaïa, Calvin Harris im Pacha, Sven Väth im Amnesia und Carl Cox sowieso überall, im DC-10, Privilege, Boiler Room. Für die Partys kommen sie aus aller Welt, und mit diesen Clubs und Partys und DJs hat Ibiza seine eigene island identity genährt. Womöglich sind auch die Hells Angels aus Nassau dafür eingeflogen, einige der Rocker kletterten mit mir aus der kleinen Propellermaschine, da weiß man dann gleich, dass es stressig wird.

Ich trinke ein paar schnelle Biere an der Hotelbar, um reinzukommen. Mein Hotel ist auf aggressive Weise hässlich, ein Klotz am Figueretas-Strand. Hässlicher sind nur die Jachten vor der Küste, manche acht- oder elfgeschossig. Ich neige trinkend zur Übertreibung. Bikinifrauen springen von Bord ins Meer, sie sehen, spektral gegen die Sonne, wie seltene Fliegenfische aus. Eigentlich hätte sich Strache auf so einer Jacht verarschen lassen müssen, das hätte besser gepasst, denke ich, dann wäre die ganze Affäre auch ästhetisch in sich geschlossen gewesen.

Natürlich wollte ich in die Strache-Villa ziehen, sie ist aber im Juni fast ausgebucht. Auf Airbnb sind in ihren Hausregeln Partys und Veranstaltungen streng untersagt, Diskussionsabende mit Wodka-Red-Bull und falschen Oligarchinnen aber wohl okay.

So, nun auf. Mir haans! Ich frage den Hotelbarkeeper, welche Bar schöner als seine ist, er nennt mir das S’Escalinata. Ich winde mich durch die Gassen. Ciutat d’Eivissa heißt Ibiza-Stadt im Katalanischen, das klingt natürlich besser. Das S’Escalinata liegt in der Dalt Vila am Portal Nou. Schöne Menschen fläzen sich auf Sitzsäcken, manche sehen aus, als lägen sie hier schon seit Jahren. Ich frage die Kellnerin, eine ibizenkische Miley Cyrus, was sie empfiehlt, und sie sagt gelangweilt everything. Deshalb bestelle ich einen Mezcal Mule. Mezcal ist eine der Spirituosen, die gerade ihre Renaissance erlebt haben, so wie Gin, Rum, Vermouth und Wodka, ja, bald werden alle Drinks ihre Renaissance erlebt haben, und dann werden die armen Hipster nicht mehr wissen, was sie trinken sollen. Der Mule kommt als sumpfige Essenz, was wohl dem Maracuja-Püree geschuldet ist, obenauf Tonic-Sirup, Limettensaft, Gurke. Ich ziehe ihn mir in den Kopf und komme in Stimmung, so sehr, wie man alleine auf dieser Insel eben in Stimmung geraten kann. Damit ich später nichts moralisch Verwerfliches tue, zum Beispiel eine Kronen Zeitung kaufe, sorge ich mit Ochsencarpaccio für eine Grundlage. Dann regnet es, und Miley ruft, ob ich nicht reinkommen wolle. Ich wolle lieber eine Barempfehlung, rufe ich. Sie lacht und ruft viele Namen, die ich nicht verstehe, außer "Bodega Bar", und in die gehe ich dann auch.