Die Öltanker

Das mag mit dem Verlauf der Öltanker-Zwischenfälle zusammenhängen. Es gibt bislang keinen schlüssigen Beweis dafür, dass der Iran hinter den Angriffen auf die beiden Schiffe im Golf von Oman steckt. Außenminister Heiko Maas verlangt "mehr Belege", nachdem die USA ein Video vorgelegt haben. Darin sieht man ein mutmaßlich iranisches Patrouillenboot, dessen Mannschaft sich an dem einen der Tanker zu schaffen macht. Die japanische Regierung fordert ebenfalls weitere Beweise, nachdem ein betroffener Reeder der amerikanischen Darstellung widersprochen hatte: Flugobjekte, nicht Haftminen (wie die Amerikaner behaupten), hätten sein Schiff beschädigt.

Diese US-Regierung, geführt von einem Präsidenten, dem in seiner Amtszeit bereits über 11.000 Lügen nachgewiesen wurden, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das wissen auch die Revolutionsgarden, jene Elite-Einheiten der Iraner, die von Trumps Leuten der Angriffe beschuldigt werden. Sie haben es mit einer US-Regierung zu tun, der die Welt nicht traut. Solange iranische Kräfte also plausibel leugnen können, hinter Angriffen wie denen auf die Tankschiffe zu stecken, können sie mit geringen Mitteln große Wirkung erzielen: Wenn ihr uns den Ölhandel verbietet, wird euer Export auch unsicher – das ist die Botschaft der Rauchsäulen, die von den Schiffen im Golf aufsteigen. Sie ist angekommen, obwohl es keine eindeutigen Beweise für die iranische Täterschaft gibt. Dass es Beweise nicht gibt und die US-Regierung dennoch klare Zuschreibungen macht, verstärkt die Botschaft paradoxerweise. Was wiederum für eine hohe iranische Professionalität in Sachen asymmetrischer Kriegführung spricht.

Die Milizen

Indem der Iran zahlreiche bewaffnete Gruppen unterstützt, ist das Land in seiner Nachbarschaft zur entscheidenden Macht geworden. Schiitische Milizen sichern dem Land Einfluss im Irak, in Syrien und im Libanon. Im Jemen unterstützt es die aufständischen Huthis, gegen die der Nachbar Saudi-Arabien seit vier Jahren einen brutalen und erfolglosen Bombenkrieg führt. Den Syrienkrieg muss man aus Teheraner Sicht als Erfolg betrachten, auch wenn es angesichts Hunderttausender Opfer zynisch klingt. Gegen die empörten, aber handlungsunwilligen Europäer, gegen die von den Golfstaaten unterstützten Dschihadisten, gegen den IS und gegen die halbherzigen USA hat man den Krieg für seinen Klienten Assad gewonnen. Nun steht man tief gestaffelt mit Zehntausenden kampferprobten Soldaten und mit schweren Waffen an der israelischen Grenze, was Möglichkeiten der Gegenwehr eröffnet, sollte Israel das iranische Atomprogramm angreifen wollen.

Wo auch immer die USA hochgerüstete Verbündete oder Militärbasen im Nahen Osten unterhalten, sind iranfreundliche Kräfte nicht weit, von Hisbollah im Libanon, die Israel bedroht, bis zu den Huthis auf der Arabischen Halbinsel. Vergangene Woche erst haben diese einen saudischen Flughafen mit Raketen angegriffen, wenige Wochen zuvor war es eine Pipeline. Dass Hisbollah ebenso wie die Huthis authentische, in ihren Ländern tief verwurzelte Bewegungen sind, ist aus Teheraner Sicht ein Vorteil. Es macht auch hier plausible Leugnung möglich, ein Plus im Schattenkrieg. Der Iran kann gegen die USA nicht gewinnen. Er hat aber sehr schmerzhafte Mittel, dafür zu sorgen, dass alle Seiten verlieren.