Beim Geld und in der Kunst spielen Nullen manchmal eine bedeutende Rolle. Auktionsergebnisse illustrieren das, etwa die für die Werke jener Gruppe von Künstlern, die sich einst im Zeichen der Null versammelte: der Gruppe Zero. Heinz Mack und Otto Piene hatten sich 1957 zusammengetan, Günther Uecker schloss sich ihnen an. Für sie verband sich mit Zero – möglichst ZERO geschrieben – der Traum von der Stunde null, von einer neuen Welt in und mit den Künsten. "Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang", hieß das bei ihnen. Oder ganz schlicht: "Zero ist Zero."

Im Gegensatz zu anderen Künstlergruppen verfolgten sie nie einen gemeinsamen Stil. Macks Dynamische Strukturen, Pienes Licht-Raster-Bilder und Ueckers Nagelbilder verbindet allenfalls das Licht mit seinen Reflexen auf weißen Leinwänden, Metallflächen und transparenten Kunststofftafeln. Die Lichtmühlen oder der Zero-Raum der Documenta 1964, die noch gemeinsam entstanden, wurden seinerzeit weithin als innovativ gepriesen. Zero war populär – auch weil die Künstler in Antwerpen (1959), Amsterdam (1961), New York und Washington (1964) ausstellen konnten. Das verschaffte Aufmerksamkeit und trieb die Erlöse auf teils fünfstellige Summen. Doch wenig später ging jeder seinen eigenen Weg – und der Kunstmarkt verlor das Interesse.

Erst Ende der Achtzigerjahre hatten sie das Tal durchschritten, fand sich Zero in den Ergebnislisten der Auktionshäuser – vorwiegend noch der deutschen – wieder mit fünfstelligen Summen. Vor allem Mack war vielerorts sichtbar, weil er von Lärmschutzwänden an der Autobahn bis zu der 23 Meter hohen Skulptur für den Himmel vor der Universität der Bundeswehr in Neubiberg allerhand "Stadtzeichen" entwarf. Dazu gehörte auch The Sky Over Nine Columns – neun sieben Meter hohe, mit Goldmosaik belegte Säulen. Sie hatten 2014 zur Architektur-Biennale in Venedig ihre Premiere und glänzten dann – gemanagt von der Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling – in Istanbul, Valencia oder St. Moritz. Auch deshalb wirken sie wie ein Abgesang auf den Weg, der sich einmal als Kunstrevolution verstand.

Inzwischen führt dieser mitten ins Kunstestablishment. Mehr als eine Million Euro sollen Macks Säulen gekostet haben. Und auch Uecker geizt nicht mit Nullen: Umgerechnet gut 2,5 Millionen Euro erzielte seine Spirale von 1997 in London, 2,2 Millionen waren es ein halbes Jahr später für das Nagelrelief Both. Piene und Mack haben diese Höhen noch nicht erklommen, mehr als eine halbe Million trugen aber auch einige ihrer Werke ein.

Auflagenobjekte sind günstiger. Serigrafien von Piene erhält man bereits für 500 Euro. Bei Mack muss man für seine farbfreudigen Arbeiten auf Aluminium oder Spiegelglas schon wesentlich mehr als einen Tausender ausgeben. Nicht anders ist es bei Uecker. Ausstellungen in Düsseldorf, Berlin, Paris, Amsterdam, Münster, Bonn und im New Yorker Guggenheim zeigen, dass die Avantgarde von gestern im Heute wohlgelitten ist – obwohl sich in jüngster Zeit bei Auktionen die Rückgänge häufen. Bei Van Ham blieb im Mai Ueckers Spirale, mit 500.000 bis 700.000 Euro angesetzt, ebenso liegen wie Wind mit einer etwas geringeren Schätzung. Und auch Macks Dynamische Struktur Schwarz bei Karl & Faber und sein Silberfächer bei Lempertz fanden keinen Käufer.