Seitdem sich die Schlangenart Dunkle Tigerpython in den Everglades-Sümpfen von Florida ausgebreitet hat, sind die Kaninchen von dort verschwunden. Ebenso fast alle Opossums; man sieht auch so gut wie keine Waschbären mehr und kaum noch Luchse. Die Würgeschlangen, die eigentlich in Südostasien leben, haben das neue Ökosystem erobert und fressen die heimischen Bewohner. Die Regierung hat die Tötung der Pythons erlaubt und veranstaltet sogar Jagd-Wettbewerbe. Doch nichts hilft gegen die Ausbreitung der Schlangen.

Nach Florida kam der Python einst als exotisches Haustier. Jetzt ist er eine Plage. Biologen nennen solche eingeschleppten Schädlinge "invasive Arten". In dem Bericht der Vereinten Nationen zum Zustand der Biodiversität, der im Mai viel Aufsehen erregt hat, sind fünf Ursachen für den Verlust von biologischer Vielfalt aufgelistet. In einer Reihe mit dem Klimawandel, der Umweltverschmutzung und der Ausbeutung von Land und Meeren steht da: invasive Arten.

Diese Eindringlinge machen sich nicht von allein auf die Reise – es ist der Mensch, der Arten neu über die Kontinente verteilt, gedankenlos und in großem Ausmaß. Oft kommen invasive Arten als blinde Passagiere, etwa in Flugzeugen oder im Ballastwasser von Schiffen. Immer häufiger jedoch reisen sie als Ware: als exotische Haustiere.

Erstmals zeigt nun eine Studie, welche Rolle dieser Faktor für das Ausbreiten invasiver Spezies spielt. Von einer Multimilliarden-Dollar-Industrie, die Tausende von Arten und viele Millionen von Individuen verschifft, schreiben die Autorinnen und Autoren in der Fachzeitschrift Frontiers in Ecology and the Environment. Importiert werden Aquarienfische und Schlangen, Affen und Vögel, Nagetiere und Kröten – kaum ein Tier ist vor den Händlern sicher. Selbst für Schimpansen, Leoparden oder giftige Frösche gibt es Nachfrage.

Der größte Teil des Marktes ist legal. Was nicht viel bedeutet, denn in vielen Ländern ist der Handel wenig reguliert. So wissen viele Staaten nicht, welche Arten auf ihr Gebiet eingeführt werden, mit dramatischen Folgen für die heimischen Ökosysteme.

Die EU ist keine Ausnahme: Der größte Teil der invasiven Amphibien, Reptilien, Säugetiere oder Vögel in Europa wurde einst als exotisches Haustier importiert, in Florida waren es bei den Reptilien- und Amphibienarten 85 Prozent.

Die Zahlen zeigen, dass der Handel unbedingt besser dokumentiert und kontrolliert werden muss – auch für den Transport innerhalb eines Landes. Denn davon, was innerhalb ihrer Landesgrenzen transportiert wird, haben die meisten Staaten keine Kenntnis. Dabei können Arten auch innerhalb von Grenzen in neue Lebensräume verschleppt und zum Problem werden. Derart achtlos mit der Bedrohung umzugehen, die exotische Haustiere für heimische Ökosysteme darstellen, ist nicht nur fahrlässig, sondern auch gefährlich. Denn wir Menschen sind darauf angewiesen, dass die uns umgebende Natur funktioniert.