ZEIT: Habt ihr eigentlich nie daran gedacht, diese Marke Tokio Hotel, die ja larger than life ist, abzustreifen? Ein anderer Name für andere Musik?

Bill: Wenn Songs in einer Werbung laufen, dann wird meist auch der Bandname eingeblendet. Das ist für Musiker natürlich wichtig. Wir lassen unseren allerdings oft weg und sagen, es soll bloß der Songtitel angegeben werden. Damit die Leute im ersten Moment gar nicht wissen, von wem das ist.

Tom: Wenn sie den Song dann hoffentlich kaufen, sehen sie es natürlich.

Bill: So hat man zumindest vermieden, dass Leute bei unserem Namen sofort denken: "Das ist nicht meine Musik". Dabei gibt es viele, die sonst Chvrches oder Daft Punk hören, die auch mit unserer Musik heute was anfangen können. Die muss man aber erst mal kriegen.

ZEIT: Spricht das nicht für einen Namenswechsel?

Tom: Nee, nee, Namen wechseln, das hätte sich immer angefühlt wie Schwanz einziehen. Wenn wir zusammen Musik machen, dann wird das immer Tokio Hotel sein.

ZEIT: Die Stücke, die viele Fans mit euch verknüpfen, stammen aus eurer Teenie-Zeit. Wärt ihr die nicht gern los?

Bill: Nein, das gehört für eine Band einfach dazu. Wenn ich zu Britney Spears gehe, dann wäre ich auch enttäuscht, wenn nicht Hit Me Baby One More Time käme.

Tom: Na, da hast du ja ein schönes Beispiel für uns gefunden (lacht).

ZEIT: Deutschsprachige Musik habt ihr lange hinter euch gelassen. Wie bewertet ihr denn von außen den aktuellen Boom der hiesigen Chartspop-Poeten, also der Max Giesingers und Mark Forsters?

Bill: Mir fällt es schwer, diese Musiker auseinanderzuhalten. Ist das jetzt der oder der? Ich weiß es wirklich nicht. Dafür ist der Wust dieser deutschen Songwriter, die alle vor allem nicht auffallen wollen, einfach zu unübersichtlich geworden.

ZEIT: Früher habt ihr deutsch gesungen, nun englisch – lief dieser Wechsel organisch ab?

Bill: Von unserer Seite aus schon. Aber sonst – überhaupt nicht! Denn unser Plattenvertrag hatte vorgesehen, dass auch das letzte Album für unsere damalige Firma auf Deutsch sein sollte ...

Tom: Die Vorstellung war für uns ein Horror.

Bill: Ich habe da einfach gesagt: "Ich mach es nicht mehr!" Und wir bekamen von allen Seiten zu hören, das könnt ihr nicht bringen, der Vertrag muss erfüllt werden. Mir war das egal, ich meinte: "Dann sollen sie uns halt verklagen." Ich habe darauf Tom Bohne, den Präsidenten von Universal Music, angerufen und ihm gesagt, dass es für uns nicht mehr infrage kommt. Seine Antwort war: "Gut, das muss ich so hinnehmen, dann ist das jetzt eben so."