Eine gesetzlich legitimierte heterosexuelle Paarbeziehung unter modernen Bedingungen (man muss dauernd glücklich und in seinen Partner verliebt sein, sonst Trennung) zu führen ist nicht leicht, noch schlimmer wird es, wenn Kinder hinzukommen. Kurz: Verheiratet bleiben ist schwierig, und das ist nicht erst seit gestern bekannt, man kann darüber Ratgeber lesen, bis man tot ist. Und trotz dieser habituellen Aufgeklärtheit halten sich die Bürgerinnen und Bürger auf den Spielplätzen und auf Partys in dieser Sache eher bedeckt, bis einem irgendwer erzählt, dass es bei X und Y, tja, leider vorbei ist.

Wer schon immer ein Gespür für die Verklemmungen einer Gesellschaft hatte, die von sich glaubt, da wären gar keine, ist die Fernsehmoderatorin und Bestseller-Autorin Charlotte Roche. Folgerichtig ist sie nun auf die gute Idee gekommen, gemeinsam mit ihrem Mann (seit zwölf Jahren verheiratet) einen Podcast zu machen, in dem die beiden ihre Probleme besprechen. Paardiologie erscheint seit vergangener Woche immer freitags auf Spotify, es geht um Streit, Eifersucht und das Konzept der Treue, das Roche für ein menschenfeindliches Christen-Konstrukt hält, wobei diese Kritik selbstverständlich nicht neu ist. Roche aber vertritt sie nicht auf radikale Achtundsechzigerweise, sondern reformiert-familienorientiert: Fremdgehen kann mal passieren, muss der andere vielleicht auch nicht unbedingt wissen, und vor allem bedeutet es nicht das Ende der Beziehung, deren Erhalt ja das eigentliche Ziel ist.

Ähnlich simpel wie dieser Ansatz funktioniert auch das moralische Entlastungsprinzip des Podcasts: Man hört zwei Eheleuten zu, die sich dafür zur Verfügung stellen, ihre recht klassischen Probleme (Eifersucht, Schuld, Rollenverteilung) öffentlich zu machen, und versteht: Aha, die haben den gleichen Ärger wie wir, vielleicht sind wir doch nicht das Letzte.