Dass die Grünen sehr linke Positionen einnehmen können, dann wieder auch rechte, wirtschaftsliberale oder konservative, wird interessanterweise nicht als sonderlich widersprüchlich aufgefasst. Die Grünen können sowohl für Industriepolitik (Baden-Württemberg) als auch für Enteignungen (Berlin) einstehen, für ethnische Homogenität und Zuwanderungskritik (Tübingen) ebenso wie für möglichst offene Grenzen (überall sonst) oder für Modernitätskritik. Die Freude an sexueller Liberalisierung geht Hand in Hand mit einer Vorschriftslust in Ernährungs- und Mobilitätsfragen. Derart schwer kombinierbare Ziele und Haltungen würden alle anderen Parteien an den Rand des Zusammenbruchs führen, die Grünen aber scheinen gerade aus den gesellschaftlichen Paradoxien ihre Kraft zu ziehen.