Zu Hause bleiben wäre am saubersten, bestimmt. Aber zu Hause ist nicht Griechenland. Deshalb nehmen wir ein bisschen Auto, sehr viel Fähre und auf gar keinen Fall ein Flugzeug. Ich hasse fliegen, weil ich Flugangst habe. Fliegen tue ich nur, wenn ich muss. Fliegen ist Arbeit. Auto ist Freizeit und die Fähre nach Griechenland der Himmel auf See.

Wenn uns der Parkeinweiser im Bauch des Schiffs in Ancona die ersten Anweisungen entgegenbrüllt, um den Wagen zentimetergenau einzupassen, geht mir das Herz auf. Beim Aussteigen sage ich "Efcharistó". Meistens wird es ignoriert, aber das ist okay. Der Parkeinweiser weiß ja nicht, dass ich außer "Danke" auch noch "Bitte", "Du bist sehr schön" und "Griechischer Salat" auf Griechisch sagen kann.

Auf griechischen Fähren ticken die Uhren schon in Italien nach griechischer Zeit. Es gibt Frappé (Nescafé auf Eis), Ouzo ("kein Ouzo vor ..." – reimt sich auf nichts, geht deshalb immer) und Spanakopita (mit Spinat gefüllte Teigtaschen, ha!). Früher zählte es zu meinen Urlaubsaufgaben, schnell aufs Sonnendeck zu stürmen und die aufblasbare Luftmatratze an einem strategisch günstigen Ort (toilettenfern, schattig, windgeschützt) auszuwerfen. Inzwischen gönnen wir uns eine Kabine. Mein Mann, der schon in den Neunzigern die Sommer in Griechenland verbracht hat, sagt, es sei auch einfach nicht mehr dasselbe, seit man von den Nächten an Deck keine Rußpartikel im Gesicht mehr davonträgt. Ich lass das so stehen.

Kurz vor dem Ablegen sind alle gestresst, die Nerven liegen blank, irgendwer schreit. Aber es dauert keine zwei Stunden, bis der letzte Empfangsbalken vom Handy verschwunden ist und sich eine unvergleichliche Ruhe über das Schiff senkt. Dann beginnt die Reise.

Lkw-Fahrer spielen Karten an klebrigen Plastiktischen. Es wird erheblich geraucht. Der Wind mischt Schweiß und Sonnenöl in die feine Gischt. Familien dösen auf Schlafsackinseln. Sanftes Brummen. Ein paar Frauen sonnen sich in Büstenhaltern, wir sind ja unter uns. Es gibt rein gar nichts zu tun. Fähren sind ehrliche Schiffe ohne Kreuzfahrtquatsch. Draußen, hinter wasserfleckigen Scheiben, wird es Kroatien, Montenegro und Albanien, von der Fähre aus betrachtet ist der Küstenstreifen grenzenlos. Alle schwitzen, niemand sieht gut aus, aber wir alle fahren nach Griechenland. Und das ist ganz und gar wunderbar.

Wenn die Fähre am nächsten Mittag, gut 18 Stunden später, in Patras anlegt, fange ich an, mich auf die Rückfahrt zu freuen.