Es ist nur eine Begegnung am Rande, und doch wird sie ganz im Zentrum des G20-Gipfels stehen. Im japanischen Osaka trifft US-Präsident Donald Trump Ende der Woche den chinesischen Staatschef Xi Jinping. Für längere Zeit könnte dies die letzte Chance sein, den Handelskrieg zwischen den Supermächten zu entschärfen. Ob der seit Jahren eskalierende Konflikt umschlägt in offene Konfrontation oder ob sich die beiden Giganten auf Kompromisssuche begeben, entscheidet sich in Osaka.

Um Handel allein, um Strafzölle und Staatssubventionen geht es schon lange nicht mehr. Amerika fühlt sich durch China wirtschaftlich, politisch und militärisch herausgefordert, durch die Nummer zwei in der Welt, die sich anschickt, die Nummer eins zu werden. Donald Trump hat es so formuliert: Er werde nicht zulassen, dass China zu seinen Lebzeiten die größte Volkswirtschaft werde. Als ob er das allein in der Hand hätte.

Allerdings kann Trump China bremsen und gehörig verunsichern. Mit seinem Gespür für die Schwächen des Gegners hat er den Streit mit China zu einer Zeit verschärft, da es die Volksrepublik mit den Vereinigten Staaten noch nicht aufnehmen kann. Aus Zorn über das gewaltige Handelsdefizit belegte Trump immer mehr chinesische Waren mit Strafzöllen. Zuletzt kündigte er zusätzliche Zölle von 25 Prozent auf Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar an; praktisch der gesamte amerikanische Import aus China wäre dann betroffen.

Begleitet wird der Handelskonflikt von einer zunehmend martialischen Rhetorik in Washington. China habe sich für den Weg der "ökonomischen Aggression" und der wachsenden militärischen Macht entschieden, erklärte Vizepräsident Mike Pence im Oktober vergangenen Jahres in einer Rede. Von keinem Land gehe für die Vereinigten Staaten eine größere Gefahr aus. In Peking verstand man das als Ankündigung eines neuen Kalten Krieges.

Die antichinesische Stimmung ist in Washington längst partei- und lagerübergreifend, wenn auch die Stoßrichtungen unterschiedlich sind. Im US-Kongress attackieren Demokraten wie Republikaner China immer wieder wegen seiner Menschenrechtsverletzungen. Die Lage der Uiguren in der Provinz Xinjiang, von denen rund eine Million in Umerziehungslager eingesperrt sind, findet auf dem Kapitolshügel genauso viel Aufmerksamkeit wie die jüngsten Massenproteste in Hongkong gegen den Machthunger der KP.

Menschenrechte kümmern Donald Trump herzlich wenig, zu den Hongkonger Demonstrationen gegen das geplante Auslieferungsgesetz sagte er lediglich, die Stadt werde schon eine Lösung mit Peking finden. Lieber heizen Hardliner seiner Administration den Konflikt mit China als "Kulturkampf" weiter an. China sei eine "wirklich andere Zivilisation", erklärte unlängst Kiron Skinner, Planungschefin im State Department. "Dies ist das erste Mal, dass wir einen Großmachtrivalen haben, der nicht weiß ist." Dies ist blanker Rassismus, und man darf sicher sein, dass solche Äußerungen in Peking auch genau so wahrgenommen werden. Nach amerikanischen Presseberichten arbeitet Skinners Abteilung derzeit an einem Grundsatzpapier zur Chinapolitik, das den sogenannten "X-Artikel" zum Vorbild hat – jenen folgenreichen Essay in der Zeitschrift Foreign Affairs aus dem Jahr 1947, in dem der damalige Chef des Planungsstabes im US-Außenministerium, George Kennan, die neue Konfrontation mit der Sowjetunion skizzierte und die Strategie des containment, der Eindämmung, empfahl.

Ob diese historische Analogie sinnvoll ist, sei dahingestellt. Jedenfalls kämpfen Washington und Peking ökonomisch immer härter gegeneinander. Die US-Regierung hat den Technologiekonzern Huawei auf eine schwarze Liste von 44 chinesischen Unternehmen gesetzt, mit denen US-Firmen nicht mehr zusammenarbeiten dürfen. Google hat bereits die Kooperation mit dem zweitgrößten Handyproduzenten der Welt eingestellt; bisher laufen die Smartphones von Huawei mit dem Betriebssystem Android.