Jeder Enttäuschung geht eine Täuschung voraus; auch ein Milliardär wie Klaus-Michael Kühne ist davor nicht gefeit. An einem Tag im Januar 2016 betrat der Hamburger Unternehmer zum ersten Mal ein Zimmer seines Luxushotels The Fontenay am westlichen Ufer der Außenalster. Fertig war das Hotel damals noch längst nicht; die Architekten hatten für Kühne in einem Betonkubus auf der Baustelle ein Musterzimmer eingerichtet. Er kannte die Zimmer bislang nur von Computer-Visualisierungen. Um mit dem Innenausbau beginnen zu können, brauchten die Architekten sein Okay. Kaum stand Kühne im Zimmer, rastete er aus – so berichten es diejenigen, die damals dabei waren. Alles war viel kleiner, weniger licht und enger geschnitten als erwartet; auf den Bildern wirkten die Räume großzügig, edel und lichtdurchflutet, der Realität fehlte jeglicher Glanz. Kühne schrie die Architekten an, sie hätten ihn mit ihren Bildern hinters Licht geführt; sie würden sein Projekt kaputt machen. "Das war kein schöner Termin", erinnerte sich einer der Architekten später. Ändern ließen sich jetzt aber nur noch die Tapeten und die Möbel, nicht mehr der Grundriss. Später stellte sich heraus, dass die Renderings, so heißen die Computerbilder im Fachjargon, die Maße offenbar durchaus korrekt wiedergaben, nur die Perspektiven und Lichtverhältnisse nicht. Aber die sind für die Raumwirkung entscheidend. Sie waren schlichtweg zu schön, um wahr zu sein.