Der aktuelle Konflikt der Vereinigten Staaten mit dem Iran weckt Erinnerungen an eine ganze Reihe westlicher Interventionen am Persischen Golf. An das Jahr 1953, als Washington den Putsch gegen Premierminister Mohammed Mossadegh einfädelte. An all die Krisen und Spannungen seit der Islamischen Revolution und der Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran 1979. Oder an die westliche Unterstützung des irakischen Diktators Saddam Hussein im Krieg gegen den Iran während der Achtzigerjahre.

So gut wie unbekannt hingegen ist ein Kapitel des Zweiten Weltkriegs, das bis heute im kollektiven Gedächtnis der Iraner nachwirkt: Im August 1941 besetzten britisch-indische und sowjetische Truppen weite Gebiete des seit Kriegsbeginn neutralen Iran. Amerikanische Truppen folgten 1942. Die Intervention sollte jegliche iranische Zusammenarbeit mit Deutschland unterbinden und alliierte Hilfslieferungen über den Iran an die Sowjetunion sicherstellen. Doch sie wuchs sich schnell zu einer Besatzung des Landes aus.

Die Berliner Historikerin Jana Forsmann hat diese Geschichte in ihrem Buch Testfall für die "Großen Drei". Die Besetzung Irans durch Briten, Sowjets und Amerikaner 1941–1946 als Erste umfassend rekonstruiert. Die Parallelen zu späteren Militäreinsätzen in der Region sind offensichtlich: Wie in Afghanistan 2001 und im Irak 2003 herrschten in Teheran 1941 nach der raschen militärischen Niederlage des Regimes chaotische Verhältnisse. Eine dauerhafte Präsenz ausländischer Truppen erschien unausweichlich. Das Engagement der USA von 1942 an stieß in der iranischen Bevölkerung dabei auf besondere Kritik, denn die Präsenz amerikanischer Soldaten unter britischem Oberbefehl im Süden des Iran war vertraglich nirgends geregelt – auch die sowjetische Seite nahm daran Anstoß.

Der Weg in diese verfahrene Situation begann am 22. Juni 1941, dem Tag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion. In einer abendlichen Radioansprache erklärte Großbritanniens Premierminister Winston Churchill, dem russischen Volk im Kampf gegen die Deutschen alle Hilfe zukommen zu lassen, derer die Briten fähig seien. Zwei Tage später signalisierten auch die USA ihre Bereitschaft, die Sowjetunion materiell zu unterstützen.

Bei den folgenden Gesprächen zwischen London und Moskau kam die Rede rasch auf den Iran, denn auf dem Gebiet des früheren Persien waren Briten und Russen seit Längerem Rivalen: Persien lag an der Peripherie des russischen Zarenreiches und zugleich in der Nachbarschaft des Britischen Empires mit seinen Kolonien in Indien und im Nordosten Afrikas. Beide Mächte verfolgten in Persien strategische Interessen und nahmen Einfluss auf die innerpersischen Machtverhältnisse, auf Handel und Wirtschaft. 1907 teilten sie Persien in Interessenzonen auf. Im Ersten Weltkrieg kam es – von 1915 bis 1918/19 – zu einer ersten militärischen Besetzung des Landes.

Infolge des Hitler-Stalin-Pakts vom 23. August 1939 und des Einmarsches der Wehrmacht und der Roten Armee in Polen kurz danach flammte der Konflikt erneut auf: Großbritannien fürchtete nun auch im Mittleren Osten deutsch-sowjetische Territorialabsprachen. Nach dem Kriegsbeginn 1939 hatte sich das autokratische Regime von Reza Schah Pahlevi in Teheran zwar für neutral erklärt. Doch das seit den späten Dreißigerjahren gestiegene Engagement Berlins im Iran und in anderen arabischen Staaten erfüllte London mit Sorge: Was, wenn die Deutschen auf die Ölvorkommen der Region zugreifen und die Verbindungswege am Persischen Golf blockieren würden?

Im Sommer 1941 sah auch Moskau seine Interessen akut gefährdet – im Nahen und Mittleren Osten wie in der angrenzenden Kaukasusregion, einem Wirtschafts- und Rohstoffzentrum der Sowjetunion: Hitler hatte erklärt, die Einnahme der kaukasischen Ölfördergebiete sei notwendig, um den Krieg im Osten erfolgreich führen zu können.

Der Iran wurde mit seinen Häfen am Persischen Golf und am südlichen Kaspischen Meer sowie der transiranischen Eisenbahnlinie nun vor allem als Versorgungsroute für Hilfsgüter bedeutsam. Angesichts der schweren Verluste der Roten Armee im Kampf gegen die Wehrmacht und der von deutschen U-Booten, Kriegsschiffen und Flugzeugen bedrohten alliierten Konvois zum sowjetischen Nordmeerhafen Murmansk war die Sowjetunion auf den "persischen Korridor" mehr und mehr angewiesen – wenngleich die Lieferungen durch das Japanische Meer und Sibirien insgesamt bedeutender bleiben sollten.

Die Briten bangten mittlerweile auch aufgrund der deutschen Erfolge in Nordafrika um ihren Einfluss im Nahen und Mittleren Osten. Zum Handeln gezwungen sahen sie sich schließlich aufgrund einer persönlichen Mitteilung Hitlers an den Schah vom 23. August 1941: Der Iran, hieß es darin, solle unbedingt an seiner Neutralität festhalten – bis der Vormarsch der Wehrmacht in den Süden der Sowjetunion abgeschlossen und die Niederlage der Roten Armee besiegelt sei.