Ein Traum von einem See

Seit ich mal ein Jahr lang durch Neuseeland reiste, bin ich von der Natur im Rest der Welt oft enttäuscht. Aber dann, auf Recherche im bayerischen Berchtesgaden, gelangte ich an ein Gewässer, spiegelglatt und smaragdgrün, von dessen Ufern mächtige Felswände in den Himmel wuchsen. Träumte ich? War das der Milford Sound mit dem berühmten Mitre Peak? Nein, es war der Königssee mit der berüchtigten Watzmann-Ostwand – einer der schönsten Orte auf dieser Seite des Erdballs.
Julius Schophoff

Im Dschungel

"Man müsste eine Machete haben", sagt mein Begleiter. Gleich taucht ein Krokodil auf, denke ich. Lianen hängen über unseren Köpfen, die Sonne tanzt auf dem Wasser, wir gleiten mit dem Kanu dahin. Im Spreewald, unweit von Berlin, fühlt man sich dem Amazonas sehr nah. Man muss nur die Gurken und die Touristen hinter sich lassen und bis in die Seitenarme paddeln: Kaum zu glauben, dass man eben noch am Berliner Hauptbahnhof stand. Statt der Krokodile beißen hier nur die Mücken. "Indiana Jones" kann man dennoch haben: als Film, abends auf dem Sofa.
Malin Schulz

Dünenglück

Sie glauben, die Ostsee kennt keine Superlative, sie bietet Deutschen und Polen verlässlich das Gleiche, ein bisschen Sand und badewannenwarmes Wasser? Dann fahren Sie in den Slowinzischen Nationalpark. Die Glücksschreie meiner Tochter beim Anblick der geriffelten Sandberge, in die sie bis zu den Knien einsank: unvergesslich. Bis zu zwölf Meter im Jahr sollen sich die Dünen bewegen. Wir brauchten mehr als eine Stunde zum Wasser und sahen am Ende kaum anders aus, als wären wir durch die namibische Wüste gewandert: verbrannte Nasen, das T-Shirt als Turban auf dem Kopf.
Emilia Smechowski

Heiliger Strand

Man sitzt in einem Haus auf Stelzen und schaut aufs Meer, da hinten irgendwo muss Hawaii sein, beziehungsweise Island, aber egal, das sieht man ja eh nicht, weil es so schön weit weg ist. Man isst Pommes, guckt den Surfern zu. Na gut, die tragen hier öfter diese Robbenanzüge über ihren muskulösen Oberkörpern, aber wenn man sie sich sonnennackt vorstellt und die Surfbretter segelfrei, dann ist das doch fast so wie damals am Santa Monica Beach. Erst wenn man sein Auto abends vom Strandparkplatz Sankt Peter-Ording herunterknirschen lässt, fällt einem auf, dass der nächste Ort doch Brösum heißt und nicht L.A.
Johannes Gernert

Über den Wolken

Tief unter den Wolken liegt der Große Froschsee im slowakischen Mengusovká-Tal. Vom See aus sind wir hochgewandert, um die Berge von oben zu sehen und dann den Sonnenuntergang zu erleben. Es ist eisig über den Wolken, doch wir haben Tee und Schokolade im Gepäck, sodass es trotzdem gemütlich ist. Klar sind wir hier nicht so hoch unterwegs wie in Nepal, aber die Berge strahlen eine derartige Energie aus, dass es auch gar nicht notwendig ist, bis in den Himalaya zu reisen.
Max Muench (Fotograf)