Zu einer deutschen Kindheit in den Sechziger- und Siebzigerjahren gehörte es, dass man in der Schule regelmäßig die Schwarz-Weiß-Filme mit den Leichen-, den Brillen- und den Haarbergen aus den Konzentrationslagern ansehen musste. Zu Hause konnte man darüber meistens mit niemandem sprechen. Das Schweigen der Eltern auf den Waschbetonterrassen wurde nur ab und an von den Rasensprinkleranlagen unterbrochen, die im Hochsommer vor sich hin tickten wie vergessene Weltkriegsbomben. So schnell wie möglich ist man deswegen von zu Hause ausgezogen und hat die Eltern in dem tiefen Graben, den es damals zwischen den Kriegs- und den Nachkriegskindern gab, mit ihren Sorgen, ihren Putzfrauen und ihren Mercedes-Dienstwagen allein gelassen.