DIE ZEIT: Seit Ruperts Tagebuch im April erschienen ist, steht es auf der LEO-Bestsellerliste – weit oben und vor Gregs Tagebuch. Wie würde der darauf reagieren?

Jeff Kinney: Er wäre nicht sehr glücklich über Ruperts Erfolg. Aber Greg ist ja clever und würde sagen, das verdanke Rupert alles ihm. Wie ich Greg kenne, würde er verlangen, dass Rupert mit ihm teilt – das Geld und den Ruhm. Oder er würde ihn gleich verklagen.

ZEIT: Und was würde Rupert antworten?

Kinney: Er wäre glücklich darüber, mit Greg zu teilen. Vielleicht würde er ihm sogar das ganze Geld überlassen. Rupert ist einfach zu gut für diese Welt. Auf Englisch heißt das Buch deshalb "Tagebuch eines unfassbar freundlichen Kindes".

ZEIT: Was sagen denn Gregs Fans zu Ruperts Tagebuch?

Kinney: Ich bekomme ganz unterschiedliche Reaktionen. Einige lachen sich über Ruperts Gutgläubigkeit kaputt, andere finden Greg echt gemein. Der Witz des Ganzen ist: Für Rupert ist Greg ein Held. Mit seinem Tagebuch will er zeigen, wie toll sein Freund ist. Weil er aber ganz ehrlich berichtet, wie Greg ihn behandelt, steht der gar nicht gut da. Ich musste die weniger schmeichelhaften Seiten von Greg zeigen – sonst wäre der Witz weg. Aber ich darf es nicht übertreiben. Meine Leser lieben Greg, das soll auch so bleiben. Und er ist ja auch kein durchweg schlechter Kerl.

ZEIT: Rupert ist lieb, gutgläubig und hilfsbereit. Greg kann echt fies sein, ist faul und manchmal feige. Beide entstammen Ihrem Kopf. Wer macht da mehr Lärm?

Kinney: Da ich gerade an dem neuen Greg-Band arbeite, ist er lauter in meinem Kopf. Aber es hat großen Spaß gemacht, Rupert mehr Raum zu geben, die Geschichten aus seiner Sicht zu betrachten.

ZEIT: Auf den ersten Blick ähneln sich die Bücher. Ruperts Bilder sehen nur ein wenig anders aus als Gregs, seine Figuren haben keine Nasen. War die Arbeit an Ruperts Tagebuch für Sie anders?

Kinney: Schon. Das Schwierigste war, eine Stimme für Rupert zu finden. Darüber habe ich mir bei Greg nie groß Gedanken machen müssen. Greg ist mir sehr ähnlich, er ist wie ich in übertrieben. Als Rupert zu schreiben war schwierig. Er ist viel unschuldiger und sieht immer das Gute, auch wenn er mies behandelt wird.

ZEIT: Aber er verändert sich auch. Zumindest beginnt er sich ein wenig gegen Greg zu wehren.

Kinney: Das stimmt, Rupert wird selbstbewusster. Je mehr er in seinem Tagebuch erzählt, desto klarer sieht auch er, wie Greg wirklich ist. Das tut Rupert gut – und der Freundschaft der beiden auch.

ZEIT: Können zwei so verschiedene Typen denn überhaupt befreundet sein? Haben Sie so etwas selbst erlebt?

Kinney: Ja, ich hatte solche Freundschaften. Und ich glaube, viele andere Menschen auch. Egal ob man befreundet ist oder ein Liebespaar, es gibt oft eine stärkere und eine schwächere Person.

ZEIT: Heute sind Sie selbst Vater. Ähneln Sie eher Mister Heffley oder Mister Jefferson?

Kinney: Beiden. Wenn ich miterlebe, dass jemand meine beiden Söhne schlecht behandelt oder ausnutzt, bin ich wie Ruperts Vater und will sie beschützen. Aber an manchen Tagen ähneln meine Jungs Greg. Da weiß ich genau, wie Mister Heffley sich fühlt.

ZEIT: Wird es weitere Bücher von Rupert geben?

Kinney: Wenn es nach mir geht, ja. Allerdings sollen Ruperts Bücher künftig anders werden. Er könnte zum Beispiel selbst Geschichten schreiben. Ich habe da schon Ideen, aber jetzt ist erst mal wieder Greg an der Reihe. Bis zur ersten Septemberwoche bin ich ganz bei ihm. Dann muss Band 14 fertig sein.

ZEIT: Oje, wir halten Sie also gerade so richtig davon ab, dass ein neues Greg-Buch fertig wird? Das gibt sicher Ärger mit den Fans!

Kinney: (lacht) Sie sind lustig! So habe ich das noch nicht gesehen. Aber ja, ich sollte viel mehr am Schreibtisch sitzen. Gerade bin ich sehr gut darin, viele, viele andere Dinge zu tun. Ich werde aber auch ständig unterbrochen. Dafür stehe ich manchmal um fünf Uhr auf, und nachts sitze ich auch am Schreibtisch und arbeite. Im November soll das Buch schließlich in den Läden liegen.

ZEIT: Verraten Sie noch schnell, wovon es handelt?

Kinney: Es geht darum, dass Greg wegziehen könnte und sich fragt, wie es eigentlich wäre ohne Rupert. Wenn ich so darüber nachdenke: Die neue Geschichte unterscheidet sich tatsächlich ein wenig von den bisherigen. Vielleicht hatte Ruperts Tagebuch da schon einen Effekt. Wie es ausgeht, verrate ich natürlich nicht.

ZEIT: Wissen Sie das denn schon?

Kinney: Ja, ich bin gerade in der Phase, in der ich zeichne und die Texte und die Comics zusammensetze. Wenn ich das Thema festgelegt habe, sammle ich immer zuerst einige Monate lang Witze. 700 waren es für Band 14, doppelt so viele, wie ich brauche. Danach schreibe ich die Geschichte grob runter, das dauert knapp zwei Wochen. Und danach kommt der anstrengende Teil. Da bin ich jetzt – und leide jeden Tag. Das Schreiben der Bücher macht mich wirklich fertig!

ZEIT: Haben Sie schon einmal gedacht, dass es Zeit wäre, mit Greg aufzuhören?

Kinney: Schon oft. Immer wenn ich mitten in einem neuen Buch stecke, habe ich riesige Zweifel und denke: Mir wird im Leben kein Witz mehr einfallen. Wenn ich dann ein paar Monate später durch die Welt reise und Kindern überall aus dem neuen Buch vorlese, ist das wie die Belohnung für die schlimmen Tage, wie ich sie jetzt gerade wieder durchstehen muss.