Sie stehen an den Ausfallstraßen großer Städte, in Gewerbegebieten – und sie werden immer mehr: riesige fensterlose Betonwürfel, die an Hochbunker oder dystopische Gefängnisbauten erinnern und an denen Schilder mit Aufschriften wie "Self Storage" hängen.

Anders als der Name vermuten lässt, lagert man sich hier nicht selbst ein (etwa um auf bessere Zeiten zu warten). Nein, man verstaut dort all sein Zeug, das nicht mehr in den Keller, die Garage oder auf den Dachboden passt. Und das für erstaunlich viel Geld. In München-Laim verlangt der Anbieter MyPlace für ein einen Quadratmeter großes Abteil mit normaler Raumhöhe gut 45 Euro im Monat. Solche Quadratmeterpreise zahlt man nicht einmal für Altbauwohnungen in Bogenhausen, und da gibt’s hohe Decken mit Stuck.

In Self-Storage-Bunkern zeigt sich der Kapitalismus von seiner schönsten Seite. Nicht architektonisch, aber konzeptionell: Er löst Probleme und macht daraus ein Geschäft. Und das alles hat mit der Evolution der Überflussgesellschaft zu tun, die sich in Phasen vollzieht. In der ersten Phase wurde Zeug angeschafft, das man schon bald nicht mehr verwendete (Fidget-Spinner, Brotbackautomaten, Nordic-Walking-Stöcke). Die zweite Phase bestand in regelmäßigen Touren zum Recyclinghof, um das Zeug wieder loszuwerden. In der dritten Phase, der Phase der Nachhaltigkeit, war Wegwerfen keine gesellschaftlich akzeptierte Option mehr. Zeug-Scham machte sich breit. Eine Zeit lang konnten Keller und Dachböden zusätzlichen Krempel noch aufnehmen, doch irgendwann begann die vierte, die Self-Storage-Phase. Sie löst alle Probleme zugleich: Wir können weiterhin unnützes Zeug kaufen, was der Wirtschaft hilft. Wir werfen weniger weg, vermeiden also Müll. Und weil es daheim auf einmal so leer aussieht, können wir asketischen Lebensstil heucheln, ohne wirklich verzichten zu müssen. Ja, Self Storage mag teuer sein. Das zugehörige Gefühl jedoch ist unbezahlbar.