Verena Lobisser sitzt in ihrem Gastgarten, schaut auf die Touristengruppen, die sich durch die Straße schieben, und seufzt: "Das ist alles viel zu viel." Vor zwölf Jahren hat die 49-Jährige das Gasthaus ihrer Eltern in Hallstatt übernommen. Damals war in dem Ort noch wenig los, obwohl er seit 1997 Unesco-Welterbe ist. Dann wurde hier eine koreanische TV-Serie gedreht, eine Kopie der Stadt in China nachgebaut, und die Zahl der asiatischen Besucher explodierte geradezu. Wie viele Touristen es jährlich sind, die in den Ort im Salzkammergut reisen, weiß keiner. Eine Million, schätzen die einen. Um einiges mehr, sagen andere. Und das in einer Marktgemeinde mit nicht einmal 800 Einwohnern. "Ich habe mich natürlich gefreut", sagt Lobisser, und viele andere Unternehmer waren mit ihr gemeinsam glücklich. Das Geschäft begann zu brummen, Betriebe im Ort, die vorher kurz vor der Pleite standen, machten nun große Gewinne. Langsam begann sich Widerstand unter den Einheimischen zu regen, doch Lobisser hielt lange dagegen. "Bis ich vor vier Jahren selbst das Gefühl hatte, dass es zu viel wird." Die Lebensqualität nehme ab, Immobilien seien unerschwinglich, der Stresspegel steige, auch bei den Kindern, es gebe keine Ruhepausen, und zu wenige würden vom Tourismus profitieren. "Hallstatt verkommt zu einem Freizeitpark für Tagestouristen", sagt sie, "und die großen Profiteure sind nicht wir, sondern internationale Reisegesellschaften."