In Karl, dem "kulturellen Schachmagazin, schildert Michael Ehn, wie Ende der Siebzigerjahre eine Gruppe älterer Männer in einem Wiener Kaffeehaus Schach spielte, "darunter einer, der seine Züge mit beißendem Sarkasmus begleitete". Und die Gegner in einer wienerisch-jiddischen Melange mit Sprüchen wie "Das Glück ist eine blinde Kuh und läuft dem dümmsten Ochsen zu" oder "Ich bekenne mich gefickt, Massel hat Talent besiegt" bedachte.

Esra Glass (1902–1981) kam wie viele galizische Juden nach dem Ersten Weltkrieg nach Wien. Schach spielte er nur zum Vergnügen im Kaffeehaus, entpuppte sich indes als starker Gegner. 1929 gewann er als geteilter Erster die Österreichische Meisterschaft – das gleiche Kunststück glückte ihm nochmals 1969 (!) – und vertrat sein Land erfolgreich bei der Schacholympiade 1933 in England, wo er den für Frankreich spielenden Marcel Duchamp schlug. 1938 änderte sich sein Leben abrupt, als er nach dem Einmarsch deutscher Truppen ins KZ Dachau deportiert wurde. Ende 1939 konnte Glass nach Shanghai flüchten, wurde indes bei Ausbruch des Japanisch-Amerikanischen Krieges 1942 als der Spionage verdächtiger Deutscher (!) erneut verhaftet. Was für ein Leben! 1949, inzwischen in Israel, gefiel ihm die Arbeit auf einer Orangenplantage nicht: "Viel zu schwer. A Jid wie ich gehört ins Kaffeehaus." Also zurück nach Wien!

Wie setzte Glass als Schwarzer bei der Olympiade 1933 Eggert Gilfer aus Island in spätestens vier Zügen matt?

Lösung aus Nr. 27:

Mit welchem Feuerwerk gewann Schwarz am Zug? Nach 1...fxg3!! 2.Dxh6 gxh2+ 3.Kf2 (3.Kh1 Dxf1+ 4.Kxh2 Dxe2+) Sxd3+! (nicht 3...h1D 4.Txh1) gab Weiß schon auf, weil er bei 4.Ke3 Dxh6+ die Dame verlöre und bei 4.exd3 Txf3+ 5.Ke2 Dxf1+ 6.Kd2 Dxd3+ 7.Ke1 Tf1 gar matt wäre