Das vermutlich berühmteste Kunstwerk der Welt misst 77 mal 53 Zentimeter. Das ist für heutige Maßstäbe beinahe winzig – und so lautet eine der häufigsten Reaktionen der Besucher auf die Mona Lisa: Mensch, ist die klein!

Was wichtig ist, muss groß sein, und was groß ist, hat Gewicht: Das scheint irgendwie logisch zu sein, und weite Teile der zeitgenössische Kunst funktionieren ja auch wirklich so. Seitdem große Museumssäle und Privatsammlungen gefüllt werden müssen, wird auch die künstlerische Produktion auf XXL getrimmt.

Ein regelrechtes Gegenprogramm bietet da bis zum 29. September die Triennale Kleinplastik im schwäbischen Fellbach (können Name und Ort bescheidener klingen?). Die Ausstellung, die seit 1980 alle drei Jahre abgehalten wird, ist hochkarätig besetzt und kehrt die üblichen Bedeutungsmaßstäbe um. Nicht jedes Werk ist winzig, doch fügen sich die Objekte erstaunlich gut in ein Konzept, das weit ausholt und das Verhältnis des Menschen zu den Dingen befragt, von der Eiszeit bis in die Gegenwart. Dafür hat die Kuratorin Brigitte Franzen insgesamt 150 Werke zusammengetragen, etwa leuchtend lackierte Tretminen von Ayşe Erkmen, die ihr tödliches Geheimnis nicht preisgeben, schimmern sie doch wie kostbare Designobjekte in verschiedensten Grüntönen. Hinzu kommen historische Objekte, zum Beispiel eiszeitliche Tierskulpturen: Mammut und Pferdekopf, einige der ersten Kunstgegenstände der Menschheit.

Und dann sind da die Mikroskulpturen von Michael Rakowitz: Mit farbenprächtigen Lebensmittelverpackungen aus dem Nahen Osten rekonstruiert er Splitter jener Skulpturen, die während der Irakkriege zerstört wurden. Seine wenige Zentimeter messenden Plastiken imitieren nicht ihr Vorbild und schaffen es trotzdem, eine Quintessenz jener historischen Werke zu vermitteln, gerade weil sie Fragment bleiben.

Einen schönen Aha-Moment hält auch die Armada nackter Männer bereit, die Vasan Sitthiket der eigenen Person nachempfunden hat, ausgestattet mit erigiertem Glied und Protestschildern wie "NO RACIST NO WAR" oder "DISARM USA PEACE NOW". Man blickt etwas unschlüssig von oben auf die Figuren herab, geht vielleicht in die Knie, um ihnen Aug’ in Aug’ gegenüberzustehen, und plötzlich ist völlig egal, ob sich der Politkünstler mit diesen kitschigen Demo-Slogans gemein macht oder nicht. Vielleicht liegt hier das Geheimnis der menschenfreundlich dimensionierten Skulptur. Statt sich über den Betrachter zu erheben, ihn zu übermannen, offeriert sie generös das Gegenteil: die Möglichkeit, das Ganze nicht so ernst zu nehmen, sie vielleicht sogar schallend zu verlachen.