Bertrand Plouvier gibt sich und seiner Partei eine Frist bis Oktober. "Ich habe keine politische Heimat mehr", sagt der Versicherungsmakler in seinem Büro in der bretonischen Hauptstadt Rennes und blickt auf den Stapel mit Schadensmeldungen auf dem Schreibtisch. Totalschaden auch bei den französischen Konservativen. Deren Alleinvertretungsanspruch auf die Werte der Republik war noch vor vier Jahren so ungebrochen, dass sie sich in "Republikaner" umbenannten. Und jetzt? Von 350.000 auf 50.000 Mitglieder geschrumpft. Jämmerliche 8,5 Prozent bei den Wahlen zum Europäischen Parlament. Der Vorsitzende ist zurückgetreten, und zahlreiche prominente Führungsleute haben die Partei verlassen. Manche sind übergelaufen zu Staatschef Emmanuel Macron, zuletzt 72 Bürgermeister und Stadträte. Plouvier, der Fraktionsvorsitzende der Konservativen im Stadtrat von Rennes, zögert noch. 43 Jahre ist er alt, seit 25 Jahren in der Partei. Sein Jüngster heißt Charles, "ein Name für Menschen mit starkem Charakter". Wie Charles de Gaulle, das große Vorbild. Er sagt, er wolle, dass die Partei sich wieder mit Inhalten beschäftige, nicht bloß mit Personal. Sonst überlege auch er, sein Parteibuch abzugeben.