Ihr Badezimmer hat keine Tür. Auch keinen Vorhang. Es ist Teil eines großen, lichtdurchfluteten Wohnraums, in dem Miriam Cahn schläft, liest, isst, lebt. Von der Dusche bis zur Küchenzeile sind es gerade fünf Schritte. In zehn Schritten liegt man im Bett, das wiederum nur eine Armlänge von meterhohen Bücherregalen entfernt ist. Durch die offenen Fenster hört man die Mera rauschen. Hier in Stampa im Bergell an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz scheinen Außenwelt und Innenleben wie selbstverständlich miteinander verbunden: Ich sehe dich, du siehst mich.