Soldaten der Bundeswehr bewachen einen Konvoi im Feldlager Camp Marmal in Afghanistan. © Michael Kappeler/dpa

Alle paar Wochen schickt die Trump-Regierung einen Vertreter mit Forderungen nach Berlin. Immer öfter ergeht es diesen Emissären wie dem Syrien-Beauftragten James Jeffrey am Wochenende. Der holte sich eine kurze, schmallippige Absage von der Bundesregierung ab: Man denke gar nicht daran, die US-Forderung nach deutschen Bodentruppen in Syrien zu erfüllen.

Die Genugtuung, die Trump-Regierung abblitzen zu lassen, ist nur zu verständlich. Sie agiert oft genug gegen deutsche Interessen – etwa in der Handels- und Klimapolitik oder in Europa, wo sie die Brexiteers noch zusätzlich anheizt. Die deutsche Außenpolitik folgt darum der unausgesprochenen Maxime: Halte dich ans Gegenteil dessen, was Donald Trump und seine Leute verlangen, und du liegst richtig.

Deutschland will auf keinen Fall in einen Krieg gegen den Iran hineingezogen werden

Das stimmt oft, doch diesmal führt es in die Irre. Einen Bundeswehreinsatz gegen die Überbleibsel des "Islamischen Staates" in Syrien rundheraus und ohne Diskussion abzulehnen steht im Widerspruch zur bisherigen deutschen Politik – und zu den deutschen Interessen in Nahost.

Die zwei dringlichsten Aufgaben in der Region lauten: die letzten Flämmchen des IS erfolgreich auszutreten und einen neuen Krieg gegen den Iran zu verhindern. Beide Ziele müssten in Berlin selbstbewusster vertreten werden. Stattdessen winkt die Bundesregierung bei der Anti-IS-Mission voreilig ab, während sie beim Iran-Konflikt zu zaghaft auftritt. Die Lage ist ambivalent und vertrackt: Gegen den IS verdienen die USA nämlich Unterstützung, beim Atomkonflikt mit dem Iran hingegen muss Deutschland entschieden gegen Washington arbeiten.

Syrien - Bundesregierung weist Forderungen nach Bodentruppen zurück US-Präsident Donald Trump hat von Deutschland gefordert, Bodentruppen nach Syrien zu schicken. Bisher sind nur Tornado-Aufklärungsjets im Einsatz. © Foto: Michael Kappeler/dpa

Das erfordert eine differenzierte Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten. Etwa so: Wir unterstützen euch bei der Stabilisierung Syriens und des Iraks (wo es sinnvoll ist, auch mit Soldaten); wir stellen uns zugleich deutlicher gegen eure Versuche, den Iran zu destabilisieren.

Der Krieg gegen den IS war gerechtfertigt und notwendig. Die Eskalation gegen den Iran ist unnötig und unverantwortlich. Ein Krieg gegen Teheran würde selbst das Irak-Debakel der Amerikaner noch in den Schatten stellen.

Der Militäreinsatz gegen den IS ist unter den Interventionen in der Region die einzige Erfolgsgeschichte. Vor vier Jahren formierte sich die Koalition gegen die Terroristen, die sich in Teilen des Iraks und Syriens festgesetzt hatten. Sie verloren ihr "Kalifat". Kurdische Kämpfer legten den Kopfabschneidern von Rakka das Handwerk, mit Unterstützung von über 60 Nationen. Deutsche Soldaten waren daran durch Aufklärung (von Jordanien aus) und Ausbildung (im Irak) beteiligt.

Die Bodentruppen, die von den Amerikanern jetzt für Nordsyrien angefordert werden, würden nicht viel anderes machen. Sie sollen einheimische Kämpfer durch Logistik, Ausbildung und technische Hilfe unterstützen. Dass Reste des IS noch eine Gefahr darstellen, glaubt auch die Bundesregierung. Warum ist eine deutsche Beteiligung dann nicht einmal diskussionswürdig?

Als Donald Trump letztes Jahr ankündigte, die amerikanischen Truppen aus Syrien abzuziehen, wurde er auch von Berlin aus heftig kritisiert: Er gefährde die kurdischen Milizen, hieß es, der IS sei nicht endgültig geschlagen, darum müssten die Amerikaner bleiben. Trump änderte den Kurs und ließ einen Teil der Truppe da. Nun lässt er bei Alliierten nach Ersatz suchen, auch in Deutschland. Nichts daran ist illegitim. Doch dieselben Politiker, die damals gegen den Abzug wetterten, schließen deutsche Beiträge jetzt aus.

Die schnelle Abfertigung der Forderung Amerikas ist nur vor dem Hintergrund eines größeren Konflikts um die richtige Politik in der Region zu verstehen. Die Bundesregierung fürchtet seit der einseitigen Kündigung des Atomabkommens, dass der aggressive Kurs der US-Regierung Teheran immer weiter in die Eskalation hineintreibt. Berlin will um keinen Preis in einen Krieg gegen den Iran hineingezogen werden.

Das wissen die Iraner, die nun Schritt für Schritt den Druck erhöhen, indem sie die Urananreicherung hochfahren. Sie spekulieren darauf, dass Europa, Deutschland voran, Trump noch in den Arm fallen und das moribunde Atomabkommen retten wird.

Das ist eine höchst riskante Wette. Sie überschätzt sehr wahrscheinlich die deutsche Bereitschaft, sich mit den USA anzulegen.