Petra Bahr ist Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover. © Kulturrat der EKD

Die einen von euch beten zu Jesus, als stünde der direkt hinter ihnen, und reden ständig von ihm, die anderen heben die Hände zum Heiligen Geist, die gelehrten Theologen aller Jahrhunderte erkunden das Verhältnis von Vater, Sohn und Geist wie Therapeuten die schwierigen Beziehungen in einer Familie. Seid ihr Christen nicht doch Polytheisten?" Herausfordernd blicken sie mich an, der islamische Theologe und die Rabbinerin.

Ich gebe ihnen recht, irgendwas ist schiefgelaufen im Laufe der Jahrhunderte. Es muss früh begonnen haben. Denn in der Bibel steht nirgendwo etwas über die Trinitätslehre, nicht beim ersten großen Theologen der Christenheit, schon gar nicht in einer Predigt Jesu oder einer der religiösen Schriften Israels, aus denen heraus sich auch die Gottesvorstellung Jesu und seines Freundeskreises entwickelt hat. Dass Gott nicht der Gott der Philosophen ist, der "unbewegte Beweger" oder ein Gedankenkonstrukt zur Begründung der Metaphysik, zeigt sich jedoch schnell.

Doch schon die Bibel zeigt die Darstellbarkeit des Undarstellbaren in vielen Facetten. Die, die ihre Erfahrungen in Geschichten zusammenführen, erzählen von Gott und seinen Eigenschaften als Geist, als Mutter und Vater, als Schöpfer, als verborgene, dunkle Dimension des Lebens, als Kontinuum der Geschichte, als Geheimnis. Nichts anderes versuchten die Christen, als sie Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist auf den dreifachen Begriff brachten. Später wollten sie sprachfähig sein gegenüber der geistigen Welt ihrer Zeit, auch der Philosophie. Nichts regt den Geist mehr an als das dynamische Verhältnis dreier Positionen. Leider ist es nicht bei intellektuellem Vergnügen geblieben, ins Innere Gottes zu schauen.

An dieser Verhältnisbestimmung der drei sind Kirchen zerbrochen, Menschen wurden als Ketzer verfolgt. Dabei war der Anlass für die trinitarische Rede von Gott ganz einfach: Wie sollte die Umwelt verstehen, dass der Gott Israels durch Jesus, den Christus, zum Gott aller Menschen wurde? Wie die Beweglichkeit, die Geschichtlichkeit, die Zugewandtheit Gottes in Worte fassen, ohne dass Gott zu einer weiteren spätantiken Miniaturgottheit nach menschlichem Bilderbedürfnis würde? In Verkürzungen liegt eine Tücke, genauso wie in der Spekulation, die sich in esoterische Höhen schraubt und dann ein paar philosophische Brocken für alle auf die Erde wirft.

Die Rede vom trinitarischen Gott ist aber nichts anderes als der Versuch, die ganze Geschichte Gottes auf eine Formel zusammenzukürzen. Gott, wie er sich in der Befreiungsgeschichte Israels zeigt wie im Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi und in der permanenten Gegenwart Gottes mit seiner Kirche, das ist eine Zusammenfassung: etwa so, wie wenn man einen Klappentext für den Roman hält. Diese Zusammenfassung hat sich verselbstständigt, manchmal ist das eigentliche Buch verlorengegangen. Das trinitarische Reden von Gott kann man nicht auf eine Lieblingsposition kürzen. Wer nur noch von Jesus redet, als sei er der beste Kumpel, oder über die Geistkraft, als wehe sie durch alle Seidentücher hindurch, verkleinert die Rede von Gott als dem Geheimnis der Welt genauso wie die, die vage vom "Göttlichen" reden. Die Zumutung der Trinitätslehre ist es, die Geschichte hinter der (notwendigen) dogmatischen Verkürzung zu entdecken.

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